Alkohol soll Erinnerungen an Brandnacht ausgelöscht haben

von Redaktion

41-jähriger Rumäne muss sich wegen versuchten Mordes in 20 Fällen in Traunstein vor Gericht verantworten

Traunstein/Tuntenhausen – Er soll am 20. Juni 2021 in einem Mehrparteienhaus in Tuntenhausen einen Mann mit Benzin übergossen und angezündet haben: Seit gestern muss sich ein 41-jähriger Mann wegen versuchten Mordes in 20 Fällen, gefährlicher Körperverletzung und Brandstiftung in Traunstein vor Gericht verantworten.

„Ich fackel‘
euch ab“

Laut Staatsanwaltschaft soll der 41-jährige Rumäne mitten in der Nacht plötzlich in einem anderen Zimmer des Mehrparteienhauses gestanden sein, in dem zwei Bewohner schliefen. „Ich bring euch um, ich fackel‘ euch ab“, soll er mehrfach gesagt haben. Dann soll er einen der Bewohner mit Benzin übergossen und das Benzin auch am Boden verteilt haben, so der Staatsanwalt weiter. Im Anschluss habe er ein Feuerzeug gezückt und alles in Brand gesetzt. Auch die beiden Bewohner sollen in Flammen gestanden sein.

Das Feuer griff auf das gesamte Gebäude über, in dem sich 18 weitere Personen aufhielten und großteils schliefen. Der Gesamtschaden habe über 1,2 Millionen Euro betragen. „Der Geschädigte erlitt erhebliche lebensgefährliche Verletzungen, Verbrennungen zweiten Grades auf 60 Prozent der Körperoberfläche“. Anderthalb Monate Klinikaufenthalt und vier Operationen waren nötig. Auch der zweite Mitbewohner erlitt schlimme Verbrennungen.

Am ersten Prozesstag machte der Angeklagte, der mit einer Dolmetscherin und seinem Anwalt Markus Frank aus Rosenheim im Gerichtssaal erschienen war, keine Angaben zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger erklärte, dass der 41-Jährige in der Nacht auf den 20. Juni betrunken gewesen sei und sich deshalb auch nicht mehr an den Vorfall erinnern könne. Sein Mandant gehe aber davon aus, dass er das Zimmer in dem Haus in Brand gesteckt habe. Frank: „Er bedauert es zutiefst und er will seine Alkoholprobleme in den Griff bekommen.“

Dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist, wurde im weiteren Verlauf des Verhandlungstages deutlich. So saß er bereits drei Jahre im Gefängnis, wurde in seiner Heimat und in Deutschland wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und einer Messerattacke verurteilt.

Schäden im
Bild festgehalten

Welche verheerende Schäden der Brand in dem Mehrparteienhaus angerichtet hat, wurde deutlich, als ein Beamter der Kriminalpolizei Rosenheim seine Aussage machte. Der Beamte zeigte Aufnahmen der Zimmer, nachdem das Feuer gewütet hatte. In den Ascheresten konnte man verbrannte Bettgestelle und einen ausgebrannten, völlig verrußten Kühlschrank erkennen. Die Bewohner der Wohnung mussten über einen langen Fluchtweg über eine Terrasse das brennende Haus verlassen, denn „die Fenster stellten keine Fluchtmöglichkeit dar“, so der Kripo-Beamte.

Nach den Fotos der zerstörten Wohnung zeigte der Beamte Videoaufnahmen einer Tankstelle. Zu sehen war der Angeklagte, wie er an der Zapfsäule Sprit in eine Plastikflasche abfüllt und danach in der Tankstelle einkauft: eine Red-Bull-Dose, 2,5 Liter Superbenzin, eine Flasche Jack Daniels, Bier und eine Packung Zigaretten.

Anschließend wurde der Hauseigentümer (69) als Zeuge aufgerufen. Er sei wohl durch den Alarm eines Rauchmelders aus dem Schlaf gerissen worden, wie er erklärte. Der Hauseigentümer floh nach eigenen Angaben schließlich über ein Dachfenster und sprang dann vom Dach zwei Meter tief auf eine Terrasse.

Der Prozess wird fortgesetzt. Xaver Eichstädter

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