Traunstein/Tuntenhausen – Eineinhalb Monate Klinikaufenthalt, sechsmal Wundbehandlung unter Narkose, Hauttransplantationen, Narben und Brandverletzungen auf 60 Prozent des Körpers: Beim Prozess gegen einen Rumänen (41), der am 20. Juni vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus im Zentrum der Gemeinde Tuntenhausen Feuer gelegt haben soll (wir berichteten), hat am gestrigen zweiten Verhandlungstag ein Opfer, das durch den Brand schwer verletzt worden war, ausgesagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-jährigen Opfer unter anderem versuchten Mord in 20 Fällen vor.
„Ich habe den Angeklagten im Zimmer gesehen und gefragt, was er hier macht. Ich habe geglaubt, er hat das Zimmer verwechselt. Dann hat er das Feuerzeug entzündet. Es kam zur Explosion.“ Mit Kompressionsstrümpfen bekleidet erzählt das Opfer, das sich auch in dem Zimmer befand, als der Brand ausbrach, über die folgenschwere Nacht im Juni in dem Wohngebäude in der Gemeinde Tuntenhausen. Seinen Zimmergenossen soll der Angeklagte direkt mit Benzin übergossen und anschließend angezündet haben.
Auch die Ehefrau des Angeklagten trat gestern in den Zeugenstand. Sie erklärt den Richtern unter Tränen die Beziehung zwischen der Familie und dem Mitbewohner, den ihr Mann angezündet haben soll. Das Brandopfer soll die Frau, die Tochter und den Angeklagten selbst immer wieder bedroht haben. Eine Woche vor der Tat provozierte der Mitbewohner wohl den Angeklagten erneut: „Ich schlitz dir in der Nacht deinen Hals auf!“, soll er laut der Ehefrau zu dem Angeklagten gesagt haben.
Kurz vor der Tat habe sie noch mit ihrem Ehemann telefoniert, erklärte die Zeugin. Bei dem Telefonat war der Angeklagte „sehr betrunken. Er hat gesagt, pass auf die Kinder auf, er liebt uns. Ich habe ihm noch gesagt, er soll den Konflikten aus dem Weg gehen“. Die Ehefrau ist sich sicher: „Er wurde provoziert, sonst hätte er dies nicht gemacht.“
Über die Auswirkungen des Brandes in dem Haus hatte dem Gericht am gestrigen Verhandlungstag ein Sachverständiger für Brände und Brandanalytik des Bayerischen Landeskriminalamts berichtet. Alles, was brennbar war, ist verbrannt. Die Fenster sind draußen, die Rahmen weg. Nur noch die metallenen Bettgestelle waren da. Einen Schrank, einen Kühlschrank und eine Couch konnte man noch erahnen“, so der Sachverständige. Christina Eisenberger