Rosenheim – Klaus Stöttner (58) macht den Weg frei für einen Generationenwechsel: Er wird bei der Landtagswahl 2023 auf eine erneute Kandidatur verzichten.
Am Donnerstag leitete Stöttner seinen Rückzug aus der Politik ein: erst still und leise bei Landtagspräsidentin und langjähriger Weggefährtin Ilse Aigner, dann bei Ministerpräsident Markus Söder.
Am Abend folgte die Information des CSU-Kreisvorstands im Gasthaus Höhensteiger in Westerndorf-St. Peter. Die Kreisvorstände der CSU Rosenheim-Land erfuhren die Nachricht zuerst. Danach war Rosenheim-Stadt an der Reihe. Die Worte immer dieselben: Der Entschluss sei wohlüberlegt gefallen, guten Herzens, zu einer Zeit voll des Erfolges. „Aber es war schon berührend“, sagt Klaus Stöttner am anderen Tag im OVB-Gespräch.
Der Entschluss zum Rückzug: er ist lange gereift. Angestoßen zu Weihnachten, beim Weihnachtsessen mit der Familie, seinen beiden Söhnen, die inzwischen 20 und 23 Jahre alt sind – und die viel auf ihn als Vater haben verzichten müssen. „Ich will jetzt mehr Zeit mit ihnen verbringen“, hat sich Klaus Stöttner vorgenommen.
Die letztendliche Entscheidung fiel vor etlichen Tagen, bei einem Aufenthalt in Wien. „Es war ein wunderschöner Tag“, erinnert sich Stöttner. Große Projekte wie „Rosi-Mobil“ und der Hochschul-Campus waren auf den Weg gebracht, lagen hinter ihm. Bei einer Tasse Kaffee, im berühmten Hotel Sacher, war für ihn plötzlich klar: Das ist jetzt der optimale Zeitpunkt. Für sich persönlich habe er die Entscheidung auf Sacher-Briefpapier niedergeschrieben. „Und es hat sich richtig angefühlt.“
400 Kilometer weiter westlich ging an diesem Abend jemand mit Erleichterung ins Wochenende: Daniel Artmann, 33, Nachwuchshoffnung der CSU – und bereit für den nächsten Schritt: in den bayerischen Landtag einzuziehen. Unter der Hand wird Artmann, bereits Mitglied im CSU-Parteivorstand, seit geraumer Zeit als „Stöttner-Nachfolger“ gehandelt, auf einen Schaukampf wollte es aber niemand ankommen lassen.
Für den jungen Familienvater war damit lange unklar, wann er würde durchstarten können. Denn sein erster Versuch, 2018 über die CSU-Liste in den Landtag zu kommen, war fehlgeschlagen. Kurz vorm Wochenende dann die Nachricht aus Wien, die beide über Tage für sich behielten: der Rückzug Stöttners von einer erneuten Kandidatur – und damit Start frei für Artmann, sich ins Rennen um die Nachfolge zu begeben.
Was ihm helfen wird: Stöttner selbst sieht in ihm den Wunsch-Nachfolger, will ihn stützen, beraten. „Wie mich einst Adolf Dinglreiter“, blickt Stöttner auf seinen Vorgänger zurück (MdL Dinglreiter von 1986 bis 2003 im Landtag).
Das letzte Wort werden letztendlich die Delegierten haben, die Ende September über ihren Stimmkreis-Kandidaten entscheiden werden.
Daniel Artmann zumindest ist bereit, will seine Chance nutzen. „Politik ist meine Herzensangelegenheit, ich will auf jeden Fall meinen Hut in den Ring werfen.“ Rosi Gantner