Aus meiner Kindheit habe ich in Erinnerung, dass meine inzwischen lang verstorbene Großmutter an Pfingsten öfter zu einem Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft gefahren ist. Für sie war das damals die Gelegenheit, wieder einmal mit ihren Verwandten, den Nachbarn und den Dorfbewohnern aus der alten Heimat zusammenzukommen, die als Vertriebene nun über die ganze Bundesrepublik verteilt lebten. Bei diesen Treffen konnten sie ihre gemeinsamen Erinnerungen austauschen, die schönen und auch die schmerzlichen des Abschieds von daheim.
Dieser Tage habe ich gelesen, dass es das jährliche Pfingsttreffen der Sudetendeutschen immer noch gibt. Irgendwie passt das auch zum Pfingstereignis der Bibel. Dort wird beschrieben, dass sich ein versprengter Haufen von Freunden Jesu versammelt, der blockiert von Frustration und Zukunftsangst nicht weiß, wie es weitergehen soll.
Die Situation der Kirche erscheint mir ehrlich gesagt im Moment nicht anders. In der Bibel erfasst plötzlich ein Wind wie ein Feuersturm die Herzen der Menschen. In Bildern wird hier etwas beschrieben, wofür wir in unserer Sprache keine rechten Worte finden. An Pfingsten beten wir um das „Geschenk des Heiligen Geistes“. Das zu erklären, ist nicht einfach.
Trotzdem glaube ich daran, weil wir genau das immer wieder erleben dürfen: Menschen treffen sich, reden miteinander – und plötzlich treiben positive Energie, ein spürbar frischer Wind und der Geist Gottes die Menschen an, einen neuen Aufbruch zu wagen. Solche Pfingsttreffen wünsche ich auch unserer Kirche immer wieder.