Chiemsee – Der Güterverkehr entlang des Brenner-Korridors befindet sich in einem starken Spannungsfeld. Mit rund 2,34 Millionen Lkw im Jahr 2020 verzeichnet der Brenner-Transit ein hohes Lkw-Aufkommen. Logistik- und Transportunternehmen stehen im Straßengütertransport mit dem Mangel an Lkw-Fahrern, den europäischen und nationalen Klimazielen, politischen Regulierungen wie etwa den Blockabfertigungen aber auch mit Infrastrukturengpässen vor großen Herausforderungen, die jetzt beim Symposium „Logistik innovativ 2022“ auf Schloss Herrenchiemsee in den Fokus gerückt worden sind. Bayern setzt nach Angaben des Bayerischen Verkehrsministers Christian Bernreiter seine Anstrengungen zur Bewältigung des Brenner-Transits weiter fort. „Der zunehmende Verkehr auf unseren Straßen ist eine zentrale Herausforderung unserer Verkehrspolitik“, so Bernreiter. „Wir brauchen nachhaltige und effiziente Lösungen, um die CO2-Emissionen deutlich zu verringern.“ Damit ein entscheidender Beitrag zum Europäischen „Green Deal“ geleistet und der zukünftige Verkehr bewältigt werden könne, werde die Staatsregierung weiterhin „alles dafür tun, um Transporte auf umweltfreundlichere Verkehrsträger wie die Schiene zu verlagern.“
Die Brenner-Route
als „Lebensader“
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), sagt: „Der Brenner-Transit beschäftigt uns schon seit Jahren. Denn dort stauen sich die politischen Probleme und in der Folge zunehmend auch die Lkw.“ Das sei insofern „unerträglich, als die Brenner-Route eine Lebensader der europäischen Wirtschaft ist.“ Vor diesem Hintergrund hat sich die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft nach eigenen Angaben mit ihrem Projekt zum klimafreundlichen Brenner-Transit zum Ziel gesetzt, Anforderungen und Möglichkeiten für Transporte auf der Schiene aufzuzeigen, damit bereits jetzt die bestehenden Potenziale optimal genutzt werden können und die angestrebte Verlagerung von zusätzlichen Güterverkehren auf die Schiene vorbereitet wird. In dem vom Bayerischen Verkehrsministerium geförderten Projekt sollen gemeinsam mit dem Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien (LKZ) die Anforderungen der verladenden Industrie- und Handelsunternehmen unter Berücksichtigung der derzeitigen Herausforderungen entlang des Brenner-Korridors analysiert und Lösungsansätze für einen klimafreundlichen und nachhaltigen Güterverkehr am Brenner erarbeitet werden.
Aktuelle Umfrage
unter Verladern
„Der Frage, wie sich der Güterverkehr effizienter und zugleich umweltverträglicher abwickeln lässt, sollte sich jedes Unternehmen stellen, das ein nachhaltiges Wirtschaften fest in seiner Strategie verankert hat“, ist Dr. Petra Seebauer, Geschäftsführerin der LKZ Prien GmbH, überzeugt. „Wir starten deshalb aktuell mit einer Umfrage, die sich an die Verlader/innen richtet, die Güterverkehre zwischen Bayern, Tirol und Südtirol laufen haben.“ Mit dem Projekt solle erreicht werden, dass sich „Industrie und Handel mit der Verlagerung auf die Schiene viel mehr als bisher vertraut machen und dadurch mehr Güter auf die Schiene bringen“, erklärte Bernreiter weiter. Die Möglichkeiten für innovative und umweltfreundliche Lösungen zur Verlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene können jedoch nach Einschätzung der Experten nur gemeinschaftlich angepackt werden – von der Politik über Verbände bis zum Waggonhersteller. Seebauer: „Sie alle gehören an einen runden Tisch mit dem gemeinsamen Ziel, für die gleiche Qualität in Preis und Leistungsversprechen wie bei einem durchgehenden Straßentransport zu sorgen.“