Rosenheim – Noch mehr Pendler, noch mehr Ausflügler als sonst: Zwischen München und Rosenheim verkehren die Züge deutlich besser gefüllt als sonst seit Beginn der Corona-Pandemie. „Wirklich rappelvoll“ sei der Zug, sagt die Schaffnerin.
Der erste Tag des neuen Tickets zeigt: Es dürfte demnächst eng werden. Vor allem um Pfingsten herum. Schon warnen Tourismus-Experten vorm Ausflügler-Ansturm am langen Wochenende. 21000 Monatsfahrscheine zum Preis von neun Euro hat allein die Bayerische Regionalbahn (BRB) verkauft. Das Interesse sei groß, sagt BRB-Sprecherin Annette Luckner. „Wir befürchten, dass es knapp werden könnte, wenn am Wochenende viele Ausflügler unterwegs sind.“
Kapazitäten nahezu
ausgeschöpft
Denn: Sehr viel mehr Kapazitäten einzusetzen habe man nicht. So heißt es seitens der BRB. „Was wir an Zügen haben, wird auch gefahren.“ Die BRB versucht den Ansturm mit Tipps zu steuern. Ein Beispiel: „Ausschlafen und lieber den Sonnenuntergang als den Sonnenaufgang im Zug genießen.“ Ein anderer: „Wanderschuhe schnüren, statt den Drahtesel satteln.“ Für Räder, so warnt Luckner, sei wirklich kaum Platz da. Bislang kam es im Voralpenland immer wieder vor, dass Radler vom Schaffner abgewiesen werden mussten.
Die Deutsche Bahn erweckt ihrerseits nicht den Eindruck, vom 9-Euro-Ticket auf dem richtigen Fuß erwischt zu werden. 2,7 Millionen der Spartickets seien bislang verkauft worden, teilt eine Sprecherin mit. Dabei hat DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz kürzlich Probleme eingeräumt, „angesichts stark steigender Nachfrage“. Besonders stark gefragt sind die Strecken, die sich am Knotenpunkt Rosenheim treffen.
Die Bahn stockt für die Sommermonate aber personell auf. Der Konzern biete über 700 zusätzliche Service- und Sicherheitskräfte auf, insgesamt viermal so viele wie in Sommern mit normalen Tarifen; die Serviceleute „koordinieren in den Sommermonaten den Ein- und Ausstieg, unterstützen Reisende mit Gepäck oder Fahrrädern und stehen für Auskünfte zur Verfügung“.
Was das neue Ticket bringt, darüber gehen die Meinungen leicht auseinander. Vielleicht einen Impuls für Gaststätten und Übernachtungsbetriebe in der Region – das erhofft sich Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin von Chiemsee-Alpenland Tourismus. Der Tourismus sei „ein wichtiger Faktor“, vielleicht kämen mit den Zügen nicht nur Ausflügler, sondern auch Übernachtungsgäste. Mit Meridian arbeite man jedenfalls zusammen, auf Bildschirmen in den Zügen werde darüber informiert, wie die Fahrgäste den „letzten Kilometer“ zurücklegen könnten – die Strecke zwischen Bahnhof und Herberge.
Die Dehoga-Kreisvorsitzende Theresa Albrecht aus Rohrdorf berichtet von gut ausgebuchten Betrieben in der Region. Ob das am 9-Euro-Ticket liegt? Schwer zu sagen. Aber: „Es wird für die Betriebe mit guter öffentlicher Anbindung in Zeiten hoher Benzinpreise und Parkgebühren in jedem Fall ein großer Vorteil sein.“ Dehoga-Landesgeschäftsführer Dr. Christian Geppert aus Bad Aibling sieht die Region auch ganz ohne 9-Euro-Ticket bestens nachgefragt.
An die Pendler denkt der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU). Er selbst pendle „zu 70 Prozent“ mit der Bahn nach München. Mehr Menschen aus dem Auto in den Zug zu bringen, sei eine gute Sache. Allerdings: Für Pendler müssten dann auch Parkmöglichkeiten nahe der Bahn geschaffen werden. Daran aber fehle es.