Haag – Trauer, Fassungslosigkeit und Entsetzen herrschen seit Dienstagabend in Haag und Umgebung, als sich die Nachricht vom Tod einer 16-Jährigen aus Isen, die mit ihrem Motorroller verunglückt war (wir berichteten), wie ein Lauffeuer verbreitete.
Den ganzen Nachmittag und Abend über kamen am Mittwoch immer wieder Bekannte, Freunde und Familienmitglieder an den Unglücksort, um Abschied von der 16-Jährigen zu nehmen. Zahlreiche Kerzen wurden angezündet, Blumen niedergelegt. „Unsere gemeinsame Zeit war viel zu kurz“ oder „Fly high, I will miss you“ war dort unter anderem zu lesen. Auf einer Kerze steht: „Du bist jetzt im Himmel“. Daneben wurde ein Foto in einem Strauß Rosen aufgestellt, das das Mädchen beim Feiern zeigt.
Konzept zur
Trauerbegleitung
Die Isenerin besuchte die zehnte Klasse der Realschule in Haag, war eine sehr beliebte Schülerin – und hätte eigentlich nach den Pfingstferien ihre Abschlussprüfung ablegen sollen. Schulleiter Hermann Huber erfuhr am frühen Mittwochmorgen von dem tragischen Unfall, informierte die Lehrkräfte und setzte sich mit der betroffenen Familie in Verbindung, wie er berichtet.
Für solch „massive Ausnahmezustände“ hat die Realschule Haag ein Konzept zur Trauerbegleitung erarbeitet. „Wir haben gehofft, dass wir es nie brauchen werden und sind jetzt froh, dass wir es haben“, so der Rektor. Das Krisenteam bestehe aus Lehrkräften, einer Schulpsychologin und Personen, die einschlägig ausgebildet sind, erklärt Huber.
Darüber hinaus gehe an alle Eltern ein Schreiben mit entsprechenden Informationen und Hilfenummern. „Die Kinder gehen von der Schule nach Hause und dort übernehmen die Eltern die Trauerbegleitung. Deswegen müssen wir die Mütter und Väter dementsprechend anleiten“, sagt Huber.
In der Hauskapelle der Realschule wurde ein „Ort der Trauer“ eingerichtet. Dort steht ein Bild der verunglückten 16-Jährigen, ein Kondolenzbuch liegt aus und an einer großen Pinnwand können die Schüler „Gedanken niederschreiben“, so der Rektor.
Die Lehrkräfte und die Schulpsychologin stünden „Tag und Nacht“ bereit, um für die Kinder da zu sein. Viele würden in der Kapelle vorbeischauen, Mitschüler aus den unteren Klassen hätten Blumen hingestellt. Am Donnerstag habe die gesamte Schule eine Trauerminute für die 16-Jährige abgehalten.
Für den Schulleiter besonders wichtig: „Trauer kann man niemandem abnehmen, auch uns Lehrkräften nicht. Aber wir können einen intimen Raum einrichten, an dem jeder ein Stück weit seinen Schmerz verarbeiten und sich verabschieden kann. Bei uns ist niemand alleine. Wir trauern gemeinsam. Wir leben den Begriff Schulfamilie“, sagt er.
Klassenfahrt
für die Zehnte
Für Huber ist es wesentlich, dass das Konzept allen Betroffenen beim Trauern hilft und andererseits Hoffnung schenken soll. In der Kapelle sollen die Kinder die Möglichkeit haben, „etwas abzugeben“. Auch die zehnte Klasse, die die 16-Jährige besuchte, habe ihre Klassenfahrt angetreten. „Sie wollen gemeinsam trauern, sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sein“, erklärt der Rektor. Es seien auch Begleitkräfte mitgefahren, die die Jugendlichen betreuen und „einfach da sind“.