Die Herbstfest-Mass kostet heuer über 28 Prozent mehr

von Redaktion

Flötzinger-Geschäftsführer Andreas Pyhrr begründet die Preissteigerung – Auerbräu hält sich bedeckt

Rosenheim – „O‘zapft is“, heißt es am 27. August. Das Rosenheimer Herbstfest findet wieder statt, und das flüssige Gold wird die Kehlen der Besucher erfrischen. Diesmal verdient das Bier diesen Spitznamen wohl: Der Preis knackt die Rekord-Marke.

Im Flötzinger-Zelt hat ein Liter Bier 2019 noch 9,20 Euro gekostet. Heuer müssen Besucher 11,80 Euro für eine Mass hinblättern – über 28 Prozent mehr. Ein halber Liter Wasser kostet 3,50 Euro. Limo, Schorle und Cola-Mix liegen bei 3,70 Euro. Bei der letzten Wiesn vor drei Jahren haben alle alkoholfreien Getränke nach Angaben von Geschäftsleiter Andreas Pyhrr 50 Cent weniger gekostet. „An solche Verhältnisse kann sich selbst unser Senior-Chef Franz Steegmüller in über 60 Jahren seiner Brauerei-Tätigkeit nicht erinnern“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auf die Frage, warum das Bier heuer so teuer ist, antwortet Pyhrr beinahe verzweifelt: „Wo soll ich da anfangen.“ Wie viele Unternehmen treffe die „sprunghafte Inflation“ auch die Brauereien. Die Lieferanten können Pyhrr zufolge entweder gar nicht liefern oder verlangen mehr für ihre Ware.

Eine Tonne Malz koste doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der Kohlenstoff-Lieferant könne nur noch eine „viel zu kleine Menge“ zustellen. Sein „Vor-Lieferant“ gebe nicht genügend Ware aus. „Das ist ein Rattenschwanz“, sagt Pyhrr. Jeder in der Lieferkette sei „ein Opfer“. Viele Unternehmen hielten aus Angst vor der Knappheit Vorräte zurück. Doch nicht nur die Rohstoffe für das Bier kosten mehr, auch Strom, Gas, Personal und der Zeltaufbau. „Da kannst ein sehr schönes Haus dafür bauen und das jedes Jahr“, sagt Pyhrr. Wie viel teurer der Aufbau heuer ist, kann der Geschäftsführer nicht beziffern.

Während der Flötzinger-Bierpreis feststeht, hält sich Auerbräu noch zurück. Sprecher Michael Hinterseer teilt mit, dass „man sich zu gegebener Zeit zu dem Thema äußern werde“. Beim letzten Herbstfest vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 hat das Bier zum ersten Mal in der Geschichte der Rosenheimer Wiesn bei Auerbräu und Flötzinger Bräu unterschiedlich viel gekostet. Auerbräu hatte 8,90 Euro für den Liter verlangt, Flötzinger 9,20 Euro.

„Wir werden uns zu diesem Thema erstmal nicht äußern“, sagt auch Klaus Hertreiter vom Wirtschaftlichen Verband. Kommende Woche wird Auerbräu dem Geschäftsführer zufolge seinen Bierpreis verkünden. Erst dann wolle Hertreiter einen Kommentar abgeben.

Auch der neue Wirt der Inntalhalle will sich nicht zum Bierpreis äußern. „Diese Woche wird das nicht mehr rauskommen“, sagt Werner Heinrichsberger junior.

Doch auch ihm ist klar, dass die Wiesn teurer wird. Er habe schließlich zwei Wirtschaften und wisse, wie sehr die Preise von Lebensmitteln und Gas steigen. Dennoch bemühten sich alle Beteiligten um eine familienfreundliche Wiesn. „Das soll keine Luxus-Wiesn werden“, sagt er.

Artikel 11 von 11