Kliniken vor Riesen-Problemen

von Redaktion

Innovationsstau, teure Energie: Appell an Gesundheitsminister Holetschek

Rosenheim – Am Ende seines Besuchs in Rosenheim gab Klaus Holetschek einen aus. Der bayerische Gesundheitsminister drückte im Eingangsbereich des Romed-Klinikums fleißig auf den Bügel des Spenders, damit sich seine Begleiter nach dem Rundgang durch das Krankenhaus der Reihe nach bequem die Hände desinfizieren konnten.

Mindestens ebenso willkommen wie die praktische Hilfestellung des Ministers waren die Schecks, die er mitgebracht hatte. Über sechs Millionen Euro für die Digitalisierung der Kliniken in Rosenheim und Prien (wir berichteten), das ist schon eine Ansage. Allerdings: Diese Geldspritze von Bund und Freistaat wird für die zahlreichen Baustellen im Gesundheitswesen in der Region Rosenheim nicht ausreichen.

So gehen derzeit die Energiekosten dermaßen durch die Decke, dass Kliniken in Schieflage zu geraten drohen. 3,7 Millionen Euro gab Romed im vergangenen Jahr für Energie aus, 4,5 Millionen waren für heuer kalkuliert worden. Tatsächlich aber könnten sich die Kosten für 2022 wohl bereits auf neun Millionen Euro summieren, wie Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram auf Anfrage mitteilte.

Medical Park sieht

„gewaltiges Problem“

Auch andere Klinikbetreiber ächzen unter den hohen Energiepreisen. Bei Medical Park mit Standorten unter anderem in Bernau, Bad Feilnbach und Prien spricht man von einem „gewaltigen Problem“. Die Energiekosten hätten sich im Vergleich zu 2021 verdreifacht, sagt Medical-Park-CEO Ulf Ludwig. Auch gestiegene Preise für Lebensmittel machen den Krankenhäusern zu schaffen. „Die Kostensteigerungen liegen etwa doppelt so hoch wie die Inflationsrate“, sagt er. Von den Schön-Kliniken in der Region Rosenheim waren keine Auskünfte über die Herausforderung steigender Energiepreise zu erhalten.

An den Energiekosten leiden die Krankenhäuser akut, mit dem Investitionsstau aber haben sie chronisch zu kämpfen. Gesundheitsminister Holetschek absolvierte auf seinem Rundgang durchs Romed-Klinikum Stationen, in denen die Mängel deutlich werden. Die Zentrale Notaufnahme im Romed-Klinikum zum Beispiel: so eng, dass die Ärzte und Mitarbeiter in Holetscheks Begleitung schon aufpassen mussten, dem Nebenmann nicht auf die Füße zu steigen. Auch auf der Mutter-Kind-Station sei der Handlungsbedarf dringend, sagte Deerberg-Wittram (siehe Infokasten).

Auch Medical-Park-CEO Ludwig spricht von jahrelangem Investitionsstau, der sich nunmehr besonders verheerend auswirke: Veraltete Strukturen, erneuerungsbedürftige Technik und fehlende Digitalisierung erhöhten den Energieverbrauch deutlich. Nach zweieinhalb Corona-Jahren fehlte den Kliniken aber das Geld für Investitionen.

Rote Zahlen in

vielen Kliniken

Ein Großteil der Kliniken sei in den roten Zahlen. Dass aber das deutsche Gesundheitswesen Schiffbruch erleide, könne sich schon volkswirtschaftlich niemand wünschen. Er wünscht sich Investitionshilfen, dazu einen Ausgleich für die Energiekosten. „Das muss allerdings die Politik auf den Weg bringen“, sagt Ludwig.

Auf deren Unterstützung zählen auch die Rosenheimer. Landrat Otto Lederer, neben Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März Aufsichtsratsvorsitzender von Romed, dankte Klaus Holetschek für Besuch und Förderbescheide, und wünschte sich, dass Holetschek „die dezentrale Krankenhausversorgung im ländlichen Raum auch in Zukunft fest im Blick hat“. Denn dieses Engagement sichere die nahe und bestmögliche Versorgung der Menschen in der Region.

Holetschek kündigte schon mal Unterstützung an. Die Steigerungen bei den Energiepreisen bedeuteten einen „fatalen Trend“, sagte er den OVB-Heimatzeitungen bei seinem Besuch in Rosenheim. Um dem entgegenzusteuern, hätten die Gesundheitsminister der Länder einen Hilfsaufruf an den Bund koordiniert, fügte er noch hinzu.

Dann eilte Klaus Holetschek aber auch schon zu seiner Dienstlimousine. Vermutlich, um sich zur nächsten Baustelle im bayerischen Gesundheitswesen chauffieren zu lassen.

Hoher Sanierungsbedarf im Romed-Klinikum Rosenheim

Der Minister schritt über knarzende Bodendielen: Klaus Holetschek sah sich bei seinem Besuch in Rosenheim die deutlich in die Jahre gekommene Mutter-Kind-Station des Romed-Klinikums an. Dort sind die Zimmer zwar liebevoll geschmückt, aber für heutige Maßstäbe zu klein. Zudem ist die sanitäre Ausstattung in die Jahre gekommen. Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram berichtete, dass man an einem Konzept für eine neue Mutter-Kind-Station arbeite. Ein geradezu historischer Akt wäre das – die Station für die kleinen Patienten ist im ältesten Trakt des Klinik-Komplexes untergebracht, im 1875 erbauten Haus vier. Die Kollegen leisteten zwar einen „fantastischen Job“, sagte Dr. Max von Holleben, Kaufmännischer Leiter am Romed-Klinikum Rosenheim, doch müsse man bessere Räume und Strukturen schaffen. Man tausche sich intensiv mit dem Gesundheitsministerium aus, erarbeite aber auch interne Lösungen. Da können die Klinikchefs nur hoffen, dass Energiepreise und Inflation bald wieder sinken. we

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