Rosenheim – Eine Rundfahrt zu gewässerschonendem Maisanbau organisierte das Rosenheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Zusammenarbeit mit Landwirten aus dem Einzugsgebiet um den Simssee.
Die Gewässerqualität des Sees leidet unter den Phosphoreinträgen, weiß Edeltraud Wissinger von der Firma Ecozept, die im Auftrag des Abwasserzweckverbands Landwirte am Simssee berät.
Phosphorfrachten
aus Ackerflächen
Sie erklärt: „Circa 50 Prozent der Phosphorfrachten im See stammen aus Ackerflächen, obwohl diese nur 20 Prozent der Fläche im Einzugsgebiet ausmachen.“ Phosphor haftet an den Bodenteilchen. Daher gelangt er durch Abschwemmung vom Acker in den See. Das passiere insbesondere bei Mais bei Starkniederschlägen. Gleichzeitig ist Silomais ein wertvolles Futtermittel in der Milchviehhaltung.
Jetzt wird nach neuen Wegen gesucht, um die beiden Ziele – Gewässerschutz und die Erzeugung von hochwertigen Futtermitteln – besser zusammenzuführen. Eine erfolgsversprechende Maßnahme ist die Mulchsaat. Dabei wird auf die übliche Bodenbearbeitung mit dem Pflug verzichtet und der Mais in einen „Mulch“ aus Pflanzenrückständen gesät. „Aufgrund der hohen Niederschläge im Alpenvorland führt der Verzicht auf den Pflug aber oft zu verminderten Maiserträgen“, so Felix Forster vom AELF Rosenheim. Um dennoch hohe Erträge zu erzielen und gleichzeitig einen guten Erosionsschutz zu erreichen, bedarf es Erfahrung und der richtigen Technik. So probieren mehrere Landwirte im Simssee-Einzugsgebiet verschiedene Verfahren aus.
Bei der Felderrundfahrt besichtigten die Landwirte vier Flächen, auf denen die neuen Methoden vorgestellt wurden. „Ein Patentrezept, das immer klappen wird, gibt es hier nicht“, wurde dabei deutlich. „Jeder Landwirt muss selbst herausfinden, welches Verfahren auf seinem Betrieb am besten funktioniert.“
Passend zu den Versuchen für den Erosionsschutz führte Hans Hamberger aus Stephanskirchen einen Versuch zur Verminderung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel durch. „Pflanzenschutzmittel und deren Rückstände werden immer wieder in Gewässern gefunden. Zudem entwickeln die Unkräuter vermehrt Resistenzen gegen die Pflanzenschutzmittel.“
In sechs Varianten testete er, ob eine Unkrautbekämpfung komplett ohne Chemie möglich ist oder ob auch eine Kombination aus reduziertem chemischem und mechanischem Pflanzenschutz zufriedenstellende Resultate erzielen kann. „Durch die Unkrautbekämpfung mit dem Hackgerät können Verkrustungen der Bodenoberfläche gebrochen werden. So ist sogar ein positiver Effekt auf das Maiswachstum möglich“, stellte sich heraus. Bei der rein mechanischen Variante wurden die Unkräuter zwischen den Reihen sehr gut, solche in der Reihe dagegen nicht alle erfasst.
Es braucht Gespür
für die Bedingungen
Wie gut die Maßnahmen in der Praxis funktionieren, hängt von Witterung, Bodenverhältnissen und weiteren Einflüssen ab. Der Landwirt benötigt für die geeignete Bewirtschaftungsauswahl neben Wissen und Erfahrung vor allem ein Gespür für die am Standort aktuell vorherrschenden Bedingungen, um Gewässerschutz, Unkrautregulierung und den optimalen Ertrag zu vereinen.