Ausweichverkehr raus aus dem Dorf

von Redaktion

Blockabfertigung Landrat und Bürgermeister planen Tonnagebeschränkung

Bad Feilnbach – Noch vor den Sommerferien soll es jetzt doch kommen: das Verbot für den grenzüberschreitenden Schwerlastverkehr ab 7,5 Tonnen durch die Dörfer von Bad Feilnbach bis ins Inntal. Landrat Otto Lederer und den Bürgermeistern der Gemeinden, die am stärksten von den Auswirkungen der Blockabfertigung an der Grenze zu Tirol betroffen sind, reicht es. Sie haben die Warterei satt, bis seitens der „großen Politik“ eine Lösung angegangen wird. Sie wollen nach der Autobahnausfahrt Bad Aibling Tonnagebeschränkungsschilder aufstellen.

Warum erst nach der Ausfahrt und nicht gleich auf der Autobahn, damit die Lkw-Fahrer rechtzeitig informiert sind? „Weil dies nur die dafür zuständige Autobahn GmbH machen kann und nicht der Landkreis. Wir können nur auf den Staats- und Kreisstraßen tätig werden“, erklärte Lederer bei einem lokalen „Verkehrsgipfel“ am Pendlerparkplatz an der A8.

„Jetzt muss endlich
gehandelt werden“

Dass sich alle acht Bürgermeister aus den betreffenden Gemeinden binnen 24 Stunden an einem Freitagnachmittag bei schwülen Temperaturen, begleitet vom Lärm der A8 (auf der wieder einmal Stau auf allen drei Spuren Richtung Süden herrschte – und das ganz ohne Blockabfertigung) mit dem Landrat zusammenfanden, unterstrich die Dringlichkeit, mit der jetzt gehandelt werden soll.

„Natürlich wäre es ideal, schon auf der Autobahn auf das Durchfahrtsverbot hinzuweisen. Diesbezüglich haben wir uns mit Nachdruck und Lösungsvorschlägen an die Autobahn GmbH in Leipzig, eine Organisation des Bundes, gewandt. Doch wenn in den kommenden Tagen nichts geschieht, wird der Landkreis mit eigenen Schildern tätig“, bekräftigte Lederer. Auch wenn dies in den Augen der Kommunalpolitiker nur die „zweitbeste Lösung“ wäre. Bedeutet es doch, dass die Lkw über den Kreisverkehr an der Kreuzstraße sofort wieder zurück auf die Autobahn fahren müssten.

„Aber es muss jetzt etwas geschehen, wir müssen unsere Dörfer und Bewohner schützen“, stimmten alle den Bürgermeistern Anton Wallner (Bad Feilnbach) und Matthias Jokisch (Brannenburg) zu. Dass die dafür erforderliche Weichenstellung so lange dauert, liege auch darin begründet, dass der Landkreis seine Lösung auf absolut rechtssichere Beine stellen will, wobei der Teufel oft im Detail liege. „Wir würden unseren Bürgern einen Bärendienst erweisen, wenn ein Lkw-Fahrer eine Anzeige wegen der Ordnungswidrigkeit, trotz des Verbots weiterzufahren, kassiert, dagegen klagt und dann recht bekommt.“

Mit dem Treffen an der Autobahn und der angekündigten „landkreisgemachten“ Lösung wollen die Politiker ein deutliches Signal an den Bund und die EU-Kommission senden, so Lederer. „Mit kleineren Lösungen bekämpfen wir nur die Symptome, aber nicht die Ursachen“, so Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt. In seinen Augen brauche man dringend auch intelligente Verkehrsleitsysteme schon ab München und die verstärkte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Während Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber sich durchaus eine vernünftige Kanalisierung des Verkehrs im Inntal vorstellen kann – wenn beispielsweise die Spediteure gerade an Blockabfertigungstagen – anders planen, glaubt sein Raublinger Kollege Olaf Kalsperger nicht an solch eine Entwicklung: „Die Spediteure nehmen das in Kauf, sie hoffen, dass ihr Fahrer dann schon ,den richtigen Weg‘ findet.“ Es sei schwach, dass Bund und Land die Lösung auf den kleinen Landkreis abwälzten.

Gewisses Verständnis für die Tiroler äußerten die meisten, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb jenseits der Grenze vieles möglich sei, auf bayerischer Seite aber nicht. Nichtsdestotrotz plädierte Nußdorfs Bürgermeisterin Susanne Grandauer dafür, im Dialog zu versuchen, für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösungen zu finden.

Das Vertrauen
nicht verspielen

Und ihr Kollege Christoph Schneider aus Neubeuern warnte davor, das Vertrauen der Bevölkerung zu verspielen, indem man unter Verweis auf Zuständigkeiten die Verantwortung ständig hin- und herschiebe. Stefan Lederwascher, Bürgermeister von Flintsbach, betonte, man müsse auch an die Lkw-Fahrer denken, die zum Teil den ganzen Tag auf der Autobahn stünden. Wie letztlich die neuen Regelungen kontrolliert werden sollen – etwa Polizeipräsenz am Kreisel – ist laut Lederer noch nicht abschließend geklärt. Ebenso die Frage, ob das Verbot nur an Tagen mit Blockabfertigung gelten kann oder dauerhaft bleibt.

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