Auch wenn es schon während meiner Schulzeit nicht besonders cool war, ich habe mich tatsächlich immer für den Unterricht im Fach Geschichte begeistern können. Nicht nur eines interessanten Lehrers wegen, sondern auch, weil mir damals schon klar geworden ist, wie sehr sich Ereignisse in der Weltgeschichte wiederholen. Zwar unter jeweils anderen Umständen, aber doch immer aufs Neue. Heute, am 20. Juli, jährt sich wieder das Attentat auf Adolf Hitler. Mich hat oft die Frage beschäftigt, ob der Verlauf der Geschichte anders hätte sein können, wenn der „Tyrannenmord“ nicht gescheitert wäre. Kürzlich sind auch die Tagebücher von Kardinal von Faulhaber aus diesen Jahren vollständig veröffentlicht worden und mich hat beschämt, dass ein Vertreter der Kirche die mutige Initiative um Claus Schenk Graf von Stauffenberg noch im Juli 1944 als „ruchloses Verbrechen“ bezeichnet hat. Allerdings wird in der öffentlichen Debatte und in der negativen Stimmung gegen die Kirchen meist auch verschwiegen, dass die führenden Köpfe des „20. Juli“ und des Widerstands rund um den Kreisauer Kreis gerade aus ihrer christlichen Überzeugung heraus gehandelt und dafür ihr Leben riskiert haben. Vielleicht sollten wir als „Nachgeborene“ uns zumindest im vorschnellen Urteil über die Zeitzeugen zurückhalten. Wer weiß, wie jeder und jede von uns damals die Zeitgeschichte beurteilt und selber gehandelt hätte. Es gibt auch heute jeden Tag für uns neu die Gelegenheit, den Mund aufzumachen gegen billige Stammtischparolen und klare Verletzungen der Menschenwürde.