Zeugnis ablegen, nicht abheften

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Mittlerweile liegen sie in den Mappen der Lehrer fertig bereit: Die Zeugnisse, die am letzten Schultag ausgegeben werden, bevor es dann endlich in die Ferien geht. Die Zensuren sind übermorgen in der Regel auch keine große Überraschung mehr, weiß doch jeder Schüler und jede Schülerin zumindest ungefähr, wie es um die Noten steht.

Was wäre aber, wenn am Freitagmorgen in diesen Mappen auf einmal Zettel zu finden wären, auf denen etwas ganz anderes steht? Eine Lehrerin hat sich zum Beispiel die Mühe gemacht, jedem Kind zusätzlich zu der sicher notwendigen Leistungserhebung auch noch ein schriftliches „Herzenszeugnis“ auszustellen. Darin steht, worauf es in diesem Schuljahr besonders stolz sein kann, wo es anderen geholfen hat und wofür sich die Lehrerin beim Kind bedanken möchte. Das ist kein neupädagogischer Kinderkram, sondern ein Zeugnis, das den Kindern in der Praxis jedenfalls mehr bedeutet als das andere, das nach dem hoffentlich erfreulichen Obulus der Großeltern nur abgeheftet wird.

Zeugnis abzulegen haben aber nicht nur unsere Schüler, sondern jeder einzelne von uns: Ein Zeugnis von der Wahrheit, ein Zeugnis über das viele Schöne und Gute in unserem Leben, über die Liebe und all die großen Wunder, die wir erfahren dürfen. Damit wir nicht vergessen, in dunkleren Tagen daraus neuen Mut zu schöpfen. „Unser Empfehlungsschreiben seid Ihr“, schreibt Paulus in der Bibel in einem Brief an seine Freunde in Korinth: „Ein Zeugnis, das nicht auf Tafeln aus Stein, sondern in den Herzen der Menschen geschrieben steht“.

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