Der Fleck vom Weihwasser

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Am letzten Tag des Kindergartenjahres kommen unsere Vorschulkinder immer zu mir in die Kirche. Sie bringen ihren neuen Schulranzen mit und stellen die Prachtexemplare im Fußball- oder Dinodesign oder in Pink mit Prinzessin Lillifee um den Altar. Wir segnen die Schulranzen, und damit vielmehr die Kinder, die am Beginn eines Lebensabschnitts stehen, den man nicht aus eigener Kraft schaffen kann und auch nicht allein schaffen muss.

Wie wir Gott in unserem Leben auch begreifen, wir vertrauen darauf, dass er alle Wege mit uns geht. Segnen heißt, das Leben unter ein positives Vorzeichen, unter das Pluszeichen zu stellen und sich mit dem Segen zu öffnen für die Liebe und das Gute. Sich segnen zu lassen, bedeutet, diesen Segen durch unser Leben dann auch an andere weiterzugeben.

Kinder haben dafür noch eine natürliche Offenheit und Sensibilität. Im vergangenen Jahr reklamierte ein Kind jedoch, dass der neue Schulranzen jetzt nach der Segnung mit dem Weihwasser einen Wasserfleck habe. Deshalb habe ich das heuer noch einmal vor dem Segnen angesprochen: „Der neue Schulranzen muss ein paar Wassertropfen aushalten. Anderenfalls tauscht du ihn am besten gleich noch um. Er wird zukünftig auf dem Schulweg auch vom Regen nass werden, und da ist es doch gut, wenn die ersten Wassertropfen die vom Weihwasser aus der Kirche sind.“

Die Kinder sind einverstanden, und als ich sie an der Tür verabschiede, meint ein Kleiner: „Der Kirchenwasserfleck ist leider schon wieder weg, aber der Segen ist bestimmt noch dran!“ Er hat es verstanden.

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