Rosenheim – Die DGB-Gewerkschaften in Südostoberbayern haben jetzt zu ihrem jährlichem Sommer-Medien-Gespräch ins Rosenheimer Gewerkschaftshaus eingeladen. Dabei standen die Herausforderungen in Verbindung mit den Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Mittelpunkt.
Die Vertreter von IG Metall, ver.di, IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und des DGB Oberbayern betrachten die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise mit Sorge. „Die derzeitige Energiekrise darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten und ihrer Familien ausgetragen werden“, so DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner. Alle in der Gesellschaft seien aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten und Lösungen zu finden. Eine Steigerung der Tariflöhne ist für die Gewerkschaften notwendig, um das Einkommen der Beschäftigten zu sichern und einer Rezession entgegenzuwirken.
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat derzeit massive Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit der Betriebe in der Region. So berichtete der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Manuel Halbmeier, dass sich die Unternehmen in der Milchindustrie bereits für den Notfall vorbereiten. Nach Informationen von Halbmeier werden derzeit in Betrieben der Milchindustrie ehemalige Öltanks wieder reaktiviert oder neue eingebaut. Er kritisierte, dass es die Arbeitgeber viel zu lange versäumt hätten auf eine regenerative Energieversorgung umzustellen.
Einig waren sich die Gewerkschaftsvertreter, dass in den kommenden Tarifrunden eine Reallohnsicherung stattfinden muss. Der Geschäftsführer von ver.di Rosenheim, Robert Metzger, meinte: „Gerade in Zeiten einer sehr hohen Inflation müsse die Lohnentwicklung der Preisentwicklung standhalten. Denn es darf nicht sein, dass die Beschäftigten die Kosten der Krise alleine bezahlen müssen, während die Arbeitgeber in vielen Bereichen Rekordgewinne einfahren.“
Eine Erfolgsmeldung verbuchte Florian Bauer für die IG Metall bei der Firma Hamberger. Nach langen Verhandlungen der IG Metall Rosenheim mit dem Holzverarbeiter sei erreicht worden, dass Hamberger ab 2026 wieder in den Flächentarifvertrag zurückkehre. Dies führe zu einer deutlich besseren Bezahlung. Für Auszubildende gäbe es ab sofort die Rückkehr zum Flächentarifvertrag.
Karl Bauer, Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt (IG BAU), ging auf die aktuelle Forderung der Arbeitgeber ein, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen. „In der Realität würde dies für die Beschäftigten in unseren Branchen eine Rentenkürzung bedeuten. Denn in körperlich anstrengenden Berufen, wie zum Beispiel in der Bauwirtschaft, schaffen die Menschen in der Realität jetzt schon nicht das Renteneintrittsalter von 67 Jahren.“ Gemeinsam machten die Anwesenden klar, dass bei einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalter mit dem erbittertsten Widerstand der Gewerkschaften zu rechnen sei.