Pfaffing – „Eine Kuh ist was Phänomenales“, findet Josef Andres. Der Milchbauer aus Pfaffing zeigt diese Begeisterung sogar am Ohr: Es schmückt ein kleiner, goldener Wiederkäuer. Der 50-Jährige liebt seine Tiere – und seinen Beruf. „Ich wollte nie was anderes machen“, sagt er. Optimale Voraussetzungen für das Amt als neuer Kreisvorsitzender des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Andres hat in schwierigen Zeiten die Nachfolge von Josef Bodmaier angetreten. Doch der neue Kreisobmann sieht sich gut gerüstet.
Stolz steht Josef Andres in seinem schon 1999 gebauten Laufstall. Modernste Technik hat hier in den vergangenen Jahren Einzug gehalten: unter anderem ein Melk- und ein Futterroboter. Die 70 Kühe gehen eigenständig zum Melken, rund um die Uhr. Sensoren erfassen, ob das Euter schon ausreichend gefüllt ist. „Dumme Kuh“: Dieses Schimpfwort passt nach den Erfahrungen von Andres überhaupt nicht zu den Tieren. „Die lernen sehr schnell. Außerdem ist es wie beim Menschen: Es gibt Schlaue und weniger Schlaue, Faule und Fleißige.“
Im Stall regiert
der Melkroboter
Andres sorgt dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen: Sein Stall hat eine Kinder- und Mutterstube, eine „Terrasse“ und sogar eine „Wellness-Oase“, in der sich die Kühe massieren lassen können. 85 Prozent des Futters erzeugt der Betrieb in Ebrach selbst, der Rest wird regional eingekauft, berichtet Andres.
Auch mit Robotern gibt es noch viel Arbeit im Stall: Futter bereitstellen, ausmisten, Gesundheitskontrolle. Dass Andres trotzdem das arbeitsintensive Amt des BBV-Kreisvorsitzenden übernehmen kann, hat er seinem Sohn zu verdanken: „Papa, mach’s“, habe der Hofnachfolger gesagt. Der 27-Jährige hält dem Vater den Rücken frei.
So ist es Tradition „beim Zacherl“ in Pfaffing, ein Hof, dessen Existenz bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Andres ist selber sehr früh in die Arbeit im Betrieb eingestiegen. Als Achtjähriger saß er schon auf dem Bulldog, die Kindheit verbrachte er im Stall. Der Vater war in vielen berufspolitischen Gremien aktiv – unter anderem als Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Wasserburg-Ebersberg sowie der MEG-Bayern. „Mein Vater hat dieses Engagement vorgelebt, er hatte bis zu 300 Termine im Jahr“, erinnert sich der Sohn.
Sein Kalender ist ebenfalls bereits seit vielen Jahren dicht gefüllt. Der neue Kreisobmann war Gründungsmitglied der Jungzüchter Rosenheim, acht Jahre lang ihr Vorsitzender und Mitbegründer des Landesverbandes Bayern. Der Agrarbetriebswirt ist Aufsichtsratsvorsitzender der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben, die im Jahr etwa 100000 Schlachtviehrinder verkauft. Andres ist außerdem seit vier Jahren im Vorstand der Genossenschaftsbrauerei Gut Forsting. Seit 20 Jahren engagiert sich der 50-Jährige außerdem beim Kreisbauernverband – in dritter Periode als Ortsobmann von Pfaffing, seit zehn Jahren im Kreisvorstand.
Die Rückendeckung daheim und im BBV habe ihn nun bewegt, die Aufgabe als Vorsitzender anzupacken, sagt er. Verantwortung übernehmen: Das passe zu seinem Selbstverständnis. „Schimpfen am Stammtisch, das ist einfach“, findet Andres, „ich möchte Probleme lösen“.
Lange Liste mit
Problemthemen
Die gibt es genug, bedauert Andres und blickt auf einen Zettel mit einer langen Liste an Themen, die die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Der Klimawandel mit der monatelangen Dürre dieses Sommers ist nur eins davon. Ernteausfälle drohen. Die Folgen des Ukraine-Kriegs und steigende Futtermittelpreise gefährden nach seiner Überzeugung die Ernährungssicherheit.
Was Andres ebenfalls ärgert: Dass vor allem die Landwirtschaft im Fokus stehe, wenn es um den Umwelt- und Klimaschutz gehe. Die Bauern würden sich schon aus „ureigenem Interesse“ um die Bodengesundheit bemühen. Sie hätten schon Blühstreifen für die Bienen eingerichtet, als es das Volksbegehren noch gar nicht gab. Landwirte würden sich seit Langem intensiv dem Naturschutz widmen – Andres kümmert sich in Pfaffing unter anderem darum, dass es dem Kiebitz gut geht.
Der Bodenbrüter ist in seinen Augen ein gutes Beispiel für ein weiteres Problem: die Notwendigkeit, für den Artenschutz bei Baumaßnahmen Ausgleichsflächen vor Ort auszuweisen. Diese Forderung verzögert unter anderem den S-Bahn-Ausbau bis Wasserburg. Landwirtschaftliche Flächen seien rar, der Druck auf den Grundstücksmarkt sei groß, das Spekulantentum greife um sich. „Warum gibt es nicht andere Kompensationsmöglichkeiten?“, fragt er sich. Einen übertriebenen Naturschutz stellt er auch beim Biber fest, der große Schäden anrichte. Der Klassiker sei diesbezüglich auch der Wolf: Hier sei in der Politik anscheinend die Emotion der Treiber, nicht die Sachlichkeit. Denn der Wolf habe eine Populationsgröße erreicht, sodass nicht mehr von einer gefährdeten Art geredet werden könne. Ein Herdenschutz mit Zäunen sei im Almgebiet eine unverhältnismäßige Maßnahme. Rücke der Wolf weiter in die Täler vor, bekämen auch all jene Bauern ein Problem, die ihre Tiere in offenen Laufställen stehen hätten. „Ich kenne viele Kollegen, die holen die Kälber aus den Iglus“, ärgert er sich.