Ihre Strahlkraft bleibt lebendig

von Redaktion

Martha Steegmüller erliegt im Alter von 86 Jahren einem Krebsleiden

Rosenheim – Eine zupackende Geschäftsfrau, eine fürsorgliche Ehefrau, Mutter und Oma, ein liebenswerter Mensch, den Herzlichkeit und Fröhlichkeit auszeichneten. So kannten die Menschen in der Region Martha Steegmüller, die Seniorchefin der Flötzinger Brauerei in Rosenheim. Am Dienstag in der Früh ist sie im Alter von 86 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens gestorben. Sie schlief im Kreis ihrer Familie friedlich ein. Die Nachricht von ihrem Tod, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete, rief große Bestürzung hervor und löste eine Welle der Anteilnahme aus.

Große Stütze
im Familienbetrieb

Am 30. November 1935 kam die Verstorbene in Rosenheim zur Welt. Ihre Eltern betrieben die Bäckerei Spiegl, zu der auch ein Café gehörte. Nach dem Abschluss der Klosterschule auf Frauenchiemsee stieg sie in den Familienbetrieb ein und entpuppte sich rasch als Allroundtalent. Ob in der Buchhaltung, bei der Ausgabe an der Kuchentheke oder beim Brotausfahren – Martha Steegmüller erwies sich bereits in jungen Jahren als große Stütze im Betrieb der Eltern.

Ein schwerer
Schicksalsschlag

Als sie zu Beginn der 60er- Jahre ihren Mann beim Jägerball in Rosenheim kennenlernte und ihn im Februar 1963 heiratete, stand sie ihm fortan bei der Führung der Brauerei jahrzehntelang zur Seite. Rührend kümmerte sich Martha Steegmüller trotz all der beruflichen Belastungen auch um ihre Familie. 1963 kam Sohn Franz zur Welt, 1965 Tochter Marisa. Dass ihnen der Sohn im Februar 2012 im Alter von 49 Jahren im Tod vorausging, war ein schwerer Schicksalsschlag für die Familie.

Franz Steegmüller, Seniorchef der Brauerei, blickt mit großer Dankbarkeit auf das Lebenswerk seiner verstorbenen Frau zurück. „Sie hatte ein unglaubliches Namensgedächtnis und in kürzester Zeit all unsere Wirte und deren Familiengeschichten gekannt“, berichtet er aus jener Zeit, als es noch keinen Außendienst im Betrieb gab. Kundenbesuche und andere gesellschaftliche Verpflichtungen – diesen Part übernahmen der Bräu und seine Frau viele Jahre wie selbstverständlich mit. „Die Brauerei war ihr Leben, sie war bis ins hohe Alter an allem interessiert“, erinnern sich Franz Steegmüller und Tochter Marisa. Sie steht heute als Geschäftsführende Gesellschafterin an der Spitze des Betriebs. Martha Steegmüller bleibt ihnen aber auch als ein Mensch im Gedächtnis verhaftet, der die Enkel Laura (20), Sebastian (18), Sophie (17) und Franz Ludwig (15) über alles liebte.

Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause noch einmal beim Wiesneinzug am kommenden Samstag in der Brauereikutsche durch die Stadt fahren zu können, war ihr nicht mehr vergönnt. Bis zuletzt war dies ihr großer Wunsch. Bis zuletzt hatte sie darauf gehofft, ihre schwindenden Kräfte ließen dessen Erfüllung jedoch nicht mehr zu.

Viele schöne
Erinnerungen

Franz Steegmüller und Tochter Marisa zehren jetzt von den vielen schönen Erinnerungen, die auch eine Verbindung zwischen der Verstorbenen und dem Herbstfest herstellen. 57 Jahre saßen ihr Ehemann und Martha Steegmüller jeden Abend an ihrem Stammplatz in der Brauereibox und begrüßten die Gäste. Per Handschlag, immer ein freundliches Wort parat und ein Lächeln im Gesicht. Nicht einen Tag fiel sie krankheitsbedingt aus.

Händchen haltend
in der Brauereibox

Ein Ritual, das die beiden in dieser langen Zeit pflegten, werden viele Besucher des Flötzinger-Zelts heuer vermissen. Das Ehepaar verließ stets Händchen haltend die Brauereibox. Dann erfüllte ein Strahlen die Gesichter der beiden, das mit der Leuchtkraft problemlos mithalten konnte, die die vielen Tausend Lichter während des Herbstfestes ins Zelt zaubern.

Von dieser Welt und der Wiesn hat Martha Steegmüller Abschied genommen. Ihre Strahlkraft bleibt in der liebevollen Erinnerung vieler Menschen an sie weit über ihren Tod hinaus lebendig.

Oberbürgermeister Andreas März: „Sie war aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken“

Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig: „Mit tiefer Trauer und großer Bestürzung habe ich vom Tod von Martha Steegmüller erfahren. Mit ihr verliert Rosenheim nicht nur eine erfolgreiche Seniorchefin der Flötzinger-Brauerei. Martha Steegmüller war ein großartiger Mensch. Sie zeichnete sich durch Freundlichkeit, Herzlichkeit, Aufrichtigkeit und einen einfühlsamen Umgang mit ihren Mitmenschen aus. Sie war eine tolle Unternehmerin, der der Standort Rosenheim ein Herzensanliegen war. Mein Mitgefühl gilt der Familie Steegmüller. Ich wünsche ihr von Herzen viel Kraft für diese schweren Stunden und Tage!“

Stadtpfarrer Andreas Zach: „Die Familie Steegmüller habe ich zum ersten Mal am Inndamm getroffen. Ich war bei einem meiner Langstreckenläufe, die Familie hat Wildenten geschossen. Damals war ich gerade mal ein halbes Jahr in Rosenheim und habe die Gelegenheit genutzt, um mich bei der Familie vorzustellen. Näher gebracht hat uns dann ein eher tragisches Ereignis: der Tod von Franz Steegmüller im Jahr 2012, um dessen Beerdigung ich mich gekümmert habe. Seit diesem Zeitpunkt sind die Familie und ich sehr herzlich miteinander verbunden. Martha Steegmüller war immer sehr um Heiter- und Fröhlichkeit bemüht, die Familie war ihr sehr heilig. Ich habe sehr großen Respekt vor der Familie und der Arbeit, die sie in die Brauerei stecken. Umso mehr bedeutet es mir, dass ich das Requiem und die Beerdigung von Martha Steegmüller halten darf.“

Angela Inselkammer, Präsidentin des Hotel- und Gaststättenverbandes Bayern: „Aus eigener Erfahrung kenne ich den unverwechselbaren und wesentlichen Zusammenhalt eines familiengeführten Unternehmens, und auch bei der Flötzinger Brauerei stellt dieser familiäre Zusammenhalt eine wichtige Säule des Erfolgs dar. Umso mehr schmerzt da der Verlust der Seniorchefin. Für die bayerische Gastronomie und das bayerische Lebensgefühl ist die Prägung durch familiengeführte Brauereien sehr wichtig. Martha Steegmüller verband eine besondere Verbindung mit ihren Kunden und wird im Familienbetrieb und auch in der Gemeinschaft der Volksfeste spürbar fehlen.“

Oberbürgermeister Andreas März: „Die Nachricht des Todes von Martha Steegmüller hat mich in tiefe Trauer versetzt. Martha Steegmüller war nicht nur das Herz der Flötzinger-Brauerei und der Familie Steegmüller, sie war auch aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken. Sie blieb Rosenheim immer treu und behandelte ihre Mitmenschen jederzeit mit Herzlichkeit, Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit. Starallüren waren ihr fremd. Sie blieb bis an ihr Lebensende bodenständig und bescheiden. Die Angehörigen, das Familienunternehmen und Rosenheim verlieren eine herzensgute Frau, der das Wohl anderer immer wichtig war. Der Familie Steegmüller gilt aus tiefstem Herzen mein Mitgefühl. Ich wünsche Euch viel Kraft!“

Reinhold Frey, Vorsitzender des Wirtschaftlichen Verbands Rosenheim: „Das ist natürlich eine tragische Nachricht gewesen, dass Frau Steegmüller verstorben ist. Ich habe Martha Steegmüller kennengelernt als herzensgute, liebenswerte Frau, die mich dahingehend beeindruckt hat, dass sie in den mehr als 20 Jahren, seit ich sie kenne, noch nie in irgendeiner Form schlechte Laune hatte. Egal, ob auf dem Herbstfest oder auch außerhalb: Sie war immer gut drauf. Das ist ein echter Verlust fürs Herbstfest, aber auch generell. Frau Steegmüller war eine bemerkenswerte Frau, die ich sehr geschätzt habe. Wir vom Wirtschaftlichen Verband Rosenheim haben immer ein gutes Verhältnis zu ihr gehabt.“

Landrat Otto Lederer: „Mit Martha Steegmüller verliert die Region eine außergewöhnliche Frau. Sie war nicht nur die Seele der Flötzinger Brauerei, sondern vor allem auch Ehefrau, Mutter und Oma. Ich habe sie als unglaublich warmherzigen und freundlichen Menschen kennengelernt. Alles, was sie tat, tat sie mit voller Überzeugung und aus tiefstem Herzen. Ich spreche der Familie meine aufrichtige Anteilnahme aus und wünsche ihr in dieser schweren Zeit viel Kraft.“

Roland Merk, Dirigent der Dreder Musi, die seit 70 Jahren im Flötzinger Zelt spielt: „Die Dreder Musi ist tieftraurig und sehr dankbar für die Verbundenheit mit der Familie Steegmüller. Martha Steegmüller war die Seele der Familie und des Festzeltes. Einfach ein liebenswerter Mensch. Schade, dass ihr großer Wunsch, noch einmal in der Herbstfest-Kutsche zu fahren, nicht mehr in Erfüllung gegangen ist.“ hei/jek/tt

Verzicht auf die Festkutsche

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