Den Zapfhahn mit Karacho rein ins erste Holzfassl Bier und dann folgt der erlösende Schrei: „O´zapft is!“ Ein schönes Ritual, wie kaum ein zweiter Ausdruck bayerischer Lebensfreude. In den fetten, relativ krisenfreien Nuller und Zehner Jahren mag es ein bisserl zur Pflicht- und Routineübung verkommen sein. Heuer hatte die Anzapf-Prozedur aber wieder etwas ganz Besonderes. Weil die Pandemie uns allen gezeigt hat, dass nichts selbstverständlich ist – nicht einmal so eine wunderbare Wiesn wie das Rosenheimer Herbstfest. Die zwei Zapf-Debütanten, Landrat Otto Lederer (links im Flötzinger) und Oberbürgermeister Andreas März (rechts im Auer) stellen sich dabei ganz passabel an – auch wenn drepfalfrei etwas anderes ist. Begrenzt sich Lederers kleiner Biersee noch auf einen halben Quadratmeter Festzeltboden im Flötzinger, sorgt März im Auer für ein spritzig-feuchtes Spektakel. Miss Herbstfest Anna Birklein nimmt es sichtlich gelassen, indessen scheint sich die Begeisterung bei der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig in Grenzen zu halten. Da war sie von Rosenheims Ex-OB Gabriele Bauer (2002-2020) ein trockeneres Prozedere gewohnt – ebenso wie unser Wiesn-Fotograf, der aber versicherte, die Reinigung seiner Kameralinse der Stadt nicht in Rechnung stellen zu wollen.Fotos schlecker/Reisner.