Nein, ich bin kein Sammler. Gegenstände anzuhäufen, die ich nicht wirklich brauche, empfinde ich als Ballast. Trotzdem erliege ich immer wieder der Versuchung, von besonderen Orten kleine Steine mitzunehmen. Sie erinnern mich in verschiedenen Farben und Maserungen an Baltrum und Juist, an den Preikestolen in Norwegen und andere Orte.
Materiell sind sie völlig wertlos, weil es so viele davon gibt. Kostbar aber sind meine Erinnerungen, die ich damit verbinde und deshalb fühle ich mich „steinreich“. Steine stehen für Kälte und Härte, aber sie bedeuten auch Kraft, Beständigkeit und Ewigkeit.
Die Bibel erzählt dazu viele wunderbare Geschichten: Mit einem Kieselstein besiegt der kleine David den überlegenen Goliath. Mose lässt aus einem Felsen in der Wüste eine Quelle sprudeln. Am Ostermorgen wird der riesige Felsbrocken vor dem Grab und von den Herzen der trauernden Freunde weggerückt und Petrus, dessen Name „Fels“ bedeutet, schreibt dann, dass wir als Kirche ein Haus „aus lebendigen Steinen“ sein sollen.
Wieder schaue ich auf die Steine auf meinem Fensterbrett. Wenn ich einen davon in die Hand nehme, wird dieser zwar nicht lebendig, aber mit der Zeit in meiner Hand sehr warm. Wir sollen auch unser Lebenshaus auf einen Felsen bauen, meint Jesus am Ende der Bergpredigt, damit es den Stürmen unseres Lebens standhalten kann.
Ich werde aus dem nächsten Urlaub wieder einen kleinen Stein mit nach Hause nehmen und dankbar daran denken, dass ich selbst in meiner menschlichen Schwäche und Vergänglichkeit für die Ewigkeit geschaffen bin.