Der königliche Mensch

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Mehr noch als der stille Heimgang der Queen berühren mich die ehrliche Trauer und die tiefe Dankbarkeit, die viele Briten jetzt ihrer jahrzehntelangen Monarchin entgegenbringen. Mir fehlt in unserem Land keine Monarchie, selbst in Bayern nicht. Mit großem Respekt muss man aber den Hut ziehen vor einer Königin, die mit Selbstdisziplin und mit echter Liebe und Leidenschaft für ihr Volk nicht gerade wenige Krisen gemeistert hat.

Elisabeth II. war keine Königin, die Glamour verbreitet hat, sondern eine Persönlichkeit, zu der man aufschauen konnte. Und vielleicht ist es das, nach dem sich die Menschen sehnen.

Als Christen salben wir bei der Taufe übrigens auch jeden Täufling, ob Säugling oder Erwachsenen zu einem „königlichen Menschen“. Bei der Übergabe des weißen Kleides heißt es dann in der Taufliturgie: „Bewahre diese Würde für das ewige Leben.“

Der Satz trifft mich jedesmal im Innersten. Mir ist schmerzlich bewusst, wie oft Menschen die „königliche Würde“ genommen wurde, die wir ihnen in der Taufe zugesprochen haben. Vertreter der Kirche haben das selbst vielfach durch Missbrauch getan.

Die Begegnung mit Schwerbehinderten, Sterbenden und Obdachlosen ist dann auch für mich persönlich immer wieder eine Anfrage, ob ich in jedem einzelnen wirklich den „königlichen Menschen“ sehen kann? Als Christen müssen wir unsere eigene Sichtweise hier jeden Tag neu darauf programmieren! Ganz zuletzt versuche ich, daran zu denken, dass ich wie alle anderen trotz meiner Fehler und Schwächen auch selber als königlicher Mensch leben darf.

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