„Ein Zeugnis von erbittertem Bahnhass“

von Redaktion

Verkehrsclub Deutschland strikt gegen Forderungen aus der Region Brenner-Nordzulauf

Rosenheim – Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) Bayern wendet sich strikt gegen die Forderungen aus der Region Rosenheim, auch den verbleibenden oberirdischen Streckenteil der Neubaustrecke nördlich von Rosenheim in einen Tunnel zu verlegen. Der Landesvorsitzende, Dr. Christian Loos, zeigt sich in einer Pressemitteilung erzürnt: „In der heutigen Zeit ist es schlicht unverschämt und zeugt von erbittertem Bahnhass, zu fordern, dass eine Bahnneubaustrecke zu 100 Prozent im Tunnel verlaufen soll!“

Die ausgewählte Variante „violett“ wird bereits größtenteils im Tunnel verlaufen und sei für ihre Länge mit sieben Milliarden Euro schon recht teuer, weiß der VCD Bayern, der auch in die Bürgerbeteiligung eingebunden ist. „Nun mit der Forderung der Inn-Unterquerung im Norden von Rosenheim in Kauf zu nehmen, dass die gesamte Trasse ‚violett‘ im Tunnel verlaufen muss und zudem die Verknüpfungsstelle Ostermünchen verlegt werden muss, was andere Planungen zunichtemacht und zusätzlich drei Milliarden Euro mehr kostet, zeugt von Verschwendungsmentalität und auch mangelnder Sachkenntnis“, so Loos weiter. Bereits in früheren Online-Sitzungen sei dargelegt worden, dass wegen der ansteigenden Topografie Richtung Norden die Inn-Unterquerung von der Höhengradiente bei der geplanten Lage der Verknüpfung in Ostermünchen nicht möglich sei. Auch ist bei der Bewertung der Alternativ-Varianten zu „violett“ deutlich gesagt worden, dass der Seeton in der Region dortige Tunnelbauten fast unmöglich macht. Der VCD Bayern macht an dieser Stelle darauf aufmerksam, dass ein „Mega-Tunnel“ nicht nur die Kosten enorm in die Höhe treibt und damit das Projekt über den Kosten/Nutzen-Quotienten wohl verhindert, sondern auch zu enormen Verzögerungen führen wird. Eine Auswirkung wird dann sein, dass die langen Lkw-Staus, die niemand will, noch weitere Jahre andauern werden, stellt der VCD fest. „Völlig unverständlich ist es, dass von der Region der Verlust von Ackerfläche und Eingriffe in Naturräume beklagt werden, der Bau der Schnellstraße B15a in der letzten Zeit über Äcker und durch Wälder jedoch hingenommen wird“, ergänzt der VCD-Landesvorsitzende Dr. Loos. „Die aktuellen Belastungen für den Staatshaushalt wegen der stark steigenden Energiepreise erfordern Maßhalten bei politischen Forderungen. Bei allem Verständnis für die Betroffenheiten vor Ort passt es nicht in die Zeit, wenn ein für die Mobilitätswende essenzielles Projekt wie der Brennerzulauf um 50 Prozent teurer wird als geplant“, ergänzt Gerd Weibelzahl, Schatzmeister und Bahnexperte im VCD Landesvorstand. Der VCD Bayern hat durchaus Verständnis für die Nöte der Region. So hat er bereits vorgeschlagen, bei der sich nördlich anschließenden Variante „Limone“ nach Grafing die Höhengradiente etwas niedriger zu legen, um mit wenigen kurzen Tunneln sowohl Waldbestand als auch landwirtschaftliche Flächen zu schonen und dazu die Klima-Resilienz zu erhöhen. Dass ein sehr langer Tunnel nicht nur proportional zu seiner Länge mehr kostet, liegt unter anderem daran, dass dann unterirdische Nothaltestellen und Zusatztunnel gebaut werden müssen. Wie dies aussieht, kann man beim Brennerbasistunnel sehen.

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