Rosenheim – Wenn es um Energie geht, dann hat die Zukunft in Rosenheim schon eher begonnen als in vielen anderen Teilen des Landes, als erst mit der Bewegung „Fridays for future“ die Jugend auf die Klimanot aufmerksam machte oder als mit Corona und Ukraine zwei wirtschaftliche Herausforderungen dazukamen. Bereits vor zehn Jahren wurde in der Inn-Stadt ein Zusammenschluss zum Wohle der Umwelt unter dem Motto „gemeinsam.energiewende.jetzt.“ gegründet. Die Energiezukunft Rosenheim (ezro) ist ein Miteinander von Stadt und Landkreis Rosenheim, Technischer Hochschule Rosenheim sowie öffentlichen, privatwirtschaftlichen und privaten Akteuren. Das zehnjährige Jubiläum wurde feierlich bei den Rosenheimer Stadtwerken gefeiert.
Bewegung in die regionale Energiewende zu bringen, das war und ist das Ziel der ezro-Initiative, dessen Leiter Professor Dr.-Ing. Dominikus Bücker von der Technischen Hochschule Rosenheim und vom Institut für nachhaltige Energieversorgung die Jubiläumsfeier moderierte. Die Ziele sind die Vernetzung der regionalen Akteure, die nachhaltige Nutzung von Energie, Beiträge zum erfolgreichem Klimaschutz sowie die Information von Kommunen, Unternehmen und Bürgern. Stadtwerke-Hausherr Dr. Götz Brühl sagte zu den verschiedenen Energieformen: „Wir brauchen sie alle, Energiesparen ist 40 Jahre aus dem Fokus gekommen. Wenn jetzt Gas teuer ist, dann wird auch weniger Gas verbraucht, es gilt weiter die Markt-Signale zu beachten, die Knappheiten werden wir noch Jahrzehnte haben.“
Oberbürgermeister Andreas März erläuterte in seinem Grußwort, warum das „Zehnjährige“ etwas Besonderes ist. „Vor zehn Jahren ist nur bei Wenigen der notwendige Umbau der Energieversorgung angekommen, die ezro-Initiative unter der Federführung von Fachhochschule und später Technische Hochschule hat aufgezeigt, dass Energieversorgung mehr ist als Strom- und Wasserversorgung“.
Bei Professor Dr. h.c. Heinrich Köster, dem Präsidenten der TH Rosenheim begann der Grußwort-Rückblick mit dem autofreien Sonntag im Jahr 1973. Köster lobte die Initiatoren der ersten Stunde und den Schulterschluss zwischen Politik, Wissenschaft, Kommunen, freier Wirtschaft und Landwirtschaft. Vorausblickend sagte er, dass sich auch neue Studiengänge, wie Bauen im Zeichen der Nachhaltigkeit, mit der Energiewende befassen werden. Zum Industriestandort Burghausen nannte er erstaunliche Zahlen. Dort wird ein Prozent des deutschen Stromes und zehn Prozent des bayerischen Stromes verbraucht. Der Standort mit einem Zehntel der Deutschen Industrie ist Anlass für die TH Burghausen zusammen mit der TU München und mit der Fachhochschule Regensburg ein Wasserstoff-Real-Labor-Projekt zu starten. „Für diese Initiative bekommen wir 50 Millionen Euro staatliche Förderung, hierfür war ezro ein gutes Vorbild“.
In seinem Festvortrag ging Professor Dr. rer. nat. Michael Krautblatter von der Technischen Universität München auf die Alpinen Naturgefahren im Klimawandel und auf die Möglichkeiten der Vorhersage ein.
Der Spezialist von der Professur für Hangbewegungen zeigte an Projekten (zum Beispiel auf der Zugspitze und am Hochvogel in den Allgäuer Alpen) wie Vorhersagen basierend auf Schwellenwerten und mechanischen Modellen erarbeitet und Frühwarnsysteme entwickelt werden können. In Form einer Zeitreise erinnerten Professor Bücker, die Klimaschutzmanagerin der TH Rosenheim Johanna Goder, sowie Richard Weißenbacher, Peter Heßner und Katharina Spöck vom Landratsamt Rosenheim an die Entwicklung und die Meilensteine von ezro. Landrat Otto Lederer bescheinigte der Initiative, dass sie stets am Puls der Zeit handle und nannte als Beispiel die Begleitung der Wasserstoff-Machbarkeitsstudie Inntal-Rosenheim und Traunstein als Projektpartner mit baldiger Kick-off-Veranstaltung.
Ein kulinarisch-geselliger Teil mit vielen Gelegenheiten zum fachlichen Austausch beendete die Jubiläums-Veranstaltung bei den Rosenheimer Stadtwerken.
Anton Hötzelsperger