Weil früher in Altbayern an jedem Wochenende in einem anderen Dorf tagelang Kirchweih gefeiert wurde und das aus Sicht der Regierung für die Arbeitsmoral nicht gut war, hat man für das Kirchweihfest schließlich ein gemeinsames Datum festgelegt. So feiern wir jetzt am dritten Sonntag im Oktober alle Kirchweih, unabhängig vom Tag der örtlichen Kirchenweihe. Wir feiern, dass wir die Kirche noch „im Dorf“ haben. Nicht, weil Gott ein Haus nötig hätte, sondern weil wir Menschen gute Orte brauchen, um uns zum Gebet und zu den Festen unseres Lebens versammeln zu können. So ist es nur richtig, dass Kirchweih auch mit schönen Traditionen verbunden ist, denn Feste brauchen einen äußeren Ausdruck: Kirtabier, Kirtahutschn, Kirtagans und Kirtanudeln gehören einfach dazu. In den vergangenen Jahren haben sich viele Mitglieder aus unseren Kirchen verabschiedet. Ohne Zweifel gibt es Gründe dafür. Wenn wir am Sonntag Kirchweih feiern, tun wir das nun auch heuer wieder trotz unsäglicher Missstände, die nicht unter den Tisch gekehrt werden dürfen. Wenn wir diese jetzt nicht offenlegen, aufarbeiten und wirklich verändern, hat selbst „Kirche im Dorf“ keine Zukunft mehr. Kirchweih ist damit aber eigentlich nur ein Fest für die, die noch mit dabei sind, die mithadern und bereit sind, sich auch selbst als Person für Veränderung und einen neuen Weg einzubringen. Den Ausgetretenen sei am Kirchweihsonntag Gans mit Blaukraut und Knödel und Schmalzgebäck wirklich von Herzen vergönnt. Eine Kirtagans und eine echte Kirtanudel ist das dann aber nicht mehr.