Aschau – Eine Woche, nachdem Hanna W. tot in der Prien gefunden wurde, laufen die Ermittlungen der Polizei fieberhaft weiter. Die Soku „Club“, die weiter mit etwa 60 Mitarbeitern arbeitet, geht den insgesamt 120 Hinweisen nach, die telefonisch bei der Kripo eingegangen sind. Das Hinweistelefon will das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nun nach einer Woche vom Netz nehmen und Hinweise nur noch über die reguläre Nummer (Telefon 08031/ 2000) entgegennehmen.
Auch müssen die Ermittler einige hundert Gigabyte Bildmaterial sichten. Stand gestern hatten laut Polizeisprecher etwa 90 Personen das Uploadportal genutzt, um Fotos und Videos aus der betreffenden Eiskeller-Nacht den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommen die sichergestellten Daten der im Club angebrachten Kameras.
Mit einem neuen Ansatz wird die Kripo nun ab heute in Aschau unterwegs sein. Von einem Infomobil, besetzt mit Polizeibeamten, erhoffen sich die Ermittler auf Hinweise aus der Bevölkerung. Das Infomobil macht noch bis einschließlich Donnerstag, 13. Oktober, jeweils von 9 bis 16.30 Uhr im Umfeld des Rathauses Station. „Wir hoffen, dass wir damit noch den ein oder anderen Hinweis erhalten, wenn wir direkt vor Ort sind“, erklärt Präsidiumssprecher Stefan Sonntag.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen sind nach seinen Worten weiter die Zeugenvernehmungen. Die Vernehmerteams sind beinahe pausenlos im Einsatz. Täglich kämen neue Personen hinzu, die befragt werden müssten. „Wir wollen nach Möglichkeit mit allen Menschen, die an dem Abend im Eiskeller waren – und das waren bis zu 800 – gesprochen haben“, erklärt Sonntag dem OVB. Aus dieser „unheimlich großen Zahl an Informationen“ erhoffen sich die Ermittler, den Fall zu lösen.
Nach wie vor mit im Boot ist der Profiler Alexander Horn von der Münchner Polizei, der mit seinem Team seit der vergangenen Woche die Soko „Club“ unterstützt. Am Freitag hatte sich Horn mit den Ermittlern getroffen. Daneben fand mit der Operativen Fallanalyse (OFA) Bayern eine Besichtigung von Örtlichkeiten in Aschau statt, um das mögliche Tatgeschehen rekonstruieren zu können.
Weiter im Einsatz sind auch die Taucher der Bereitschaftspolizei Dachau, die die Prien absuchen. Nach wie vor fehlt das Handy der jungen Frau. Nachdem vergangene Woche bei der Suchaktion bereits die Jacke des Opfers gefunden wurde, steht inzwischen fest, dass es sich bei einer gefundenen Handtasche um die des Opfers handelt.
Eine große Rolle spielt Stefan Sonntag zufolge zudem die Spurensicherung – in der Hoffnung, auf entscheidende Hinweise zu stoßen. Aktuell wird die Jacke, die Taucher aus der Prien gefischt haben, einer eingehenden Untersuchung von Experten in München unterzogen. Die Ergebnisse liegen nach den Worten des Sprechers noch nicht vor. Sie werden aber, wie jede Spur, der nachgegangen wird, von den Ermittlern mit Spannung erwartet.Rosi Gantner