Armes reiches Land

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Weil ein Hackerangriff das IT-System der Caritas lahmgelegt hat, sind unsere kirchlichen Fachdienste wie die Schuldnerberatung, die Soziale Beratung, die Beratungsstelle für pflegende Angehörige, Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung, der Sozialpsychiatrische Krisendienst und viele weitere derzeit nicht per Mail erreichbar. Telefonieren geht immerhin noch, denn die Mitarbeiter der Caritas sind geduldig. Trotzdem schränkt das meine Hilfemöglichkeiten ein, denn ich kann am späteren Abend, wenn ich als Seelsorgerin endlich Zeit dazu habe, keine schriftlichen Anfragen mehr weitervermitteln. Vor einem Cyberangriff ist keine Firma gefeit, aber jetzt trifft es mit dem größten oberbayerischen Sozialverband am Ende wieder genau die Menschen, die ohnehin nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Auch die Einnahmen der Caritassammlung gehen stetig zurück, weil dafür kaum neue Ehrenamtliche zur Verfügung stehen und die Bürger zudem weniger Geld in ihrer Haushaltskasse haben. Was unsere Fachdienste an wirklich großartiger, immer qualifizierter und diskreter Arbeit leisten, können wir nach außen scheinbar schlecht vermitteln. Andere plakative Themen sind für die Öffentlichkeit einfach interessanter. Kürzlich hat uns im Pfarrhaus ein erboster Brief erreicht, weil der schriftliche Aufruf zur Caritassammlung aus Versehen in einem Briefkasten mit der Aufschrift „Bitte keine Werbung“ gelandet war. Echte Probleme sind in unserer Gesellschaft nicht immer sichtbar. Es geht uns scheinbar noch sehr gut in unserem armen reichen Land.

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