Rosenheim – Rosenheim, Lima und wieder Rosenheim. Über gleich drei Dekaden prägte Günter Aicher die Entwicklung des Karolinen-Gymnasiums. Dabei wollte er da eigentlich gar nicht hin.
Chemie sei die zweitschönste Sache der Welt, erklärte Günter Aicher immer seinen Schülern. Denn Chemie sei so exakt und präzise, dass man damit ganz viel erreichen könnte. Was die schönste Sache der Welt war, das ließ Aicher offen. Am 29. September 2022 ist der passionierte Lehrer verstorben.
Über 30 Jahre war Aicher am Karolinen-Gymnasium tätig, über zehn Jahre davon auch als stellvertretender Direktor. Und er hat das Karo entscheidend mitgeprägt: Die Öffnung der Schule für Buben im Jahr 1987 fiel genauso in seine Zeit wie die Einführung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweigs 1991.
Dem gebürtigen Rosenheimer war besonders Letzteres ein großes Anliegen, wie seine Tochter Judith Kattaloher erzählt. „Mein Vater war so, wie wir heute sein sollen: Offen, neugierig und nicht immer gleich wertend“, erzählt sie.
Diese Offenheit und Neugier zeigte sich auch in dem vierjährigen Peru-Aufenthalt der Familie. 1968, Judith war noch nicht auf der Welt, aber ihr älterer Bruder war schon dabei, ging Günter Aicher mit Frau und Kind nach Lima. Er unterrichtete an der deutschen Schule. Bis zu seinem Tod hat er gerne von der Zeit erzählt, und die Inkas haben ihn nie losgelassen. Bis ins hohe Alter las Günter Aicher Bücher auf Spanisch. Es sei doch ein Geschenk, andere Sprachen zu beherrschen, erklärt er seiner Tochter, das dürfe man nicht einfach weggeben.
Aber nach vier Jahren in Peru ging es Anfang der 70er-Jahre zurück in die Rosenheimer Heimat. Aicher unterrichtete zunächst am Ignaz-Günter-Gymnasium, wurde dann aber bald versetzt. Eigentlich wollte er bleiben, aber als Beamter hat er keine Wahl – zum Glück für das Karolinen-Gymnasium.
Am Karo blieb er 32 Jahre lang. „Er war mit Leib und Seele Lehrer“, erzählt Kattaloher, „und er hat sich am Karo richtig wohlgefühlt.“ Vielleicht eben, weil er seinen Schülern erklären konnte, warum Chemie die zweitschönste Sache der Welt war. Aber insgesamt „war er immer mehr am Austausch als am Belehren interessiert“, erzählt Kattaloher. Auch Konrektor sei er gerne gewesen. Die vermittelnde Rolle zwischen Kollegium und Schulleitung habe ihm gelegen, sagt Kattaloher.
2003 war dann Schluss mit dem Lehrerberuf, Aicher ging in Pension. Dabei sei er auch ein liebevoller Opa gewesen. „I red so gern mit dem Opa“, sagte Kattalohers Sohn noch vor Kurzem. Am 29. September 2022 ist Günter Aicher im Alter von 84 Jahren verstorben. Er hinterlässt seine Frau, zwei Kinder und zwei Enkel. Thomas Stöppler