Es ist angerichtet!

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Auf dem Städtischen Friedhof Rosenheim treffe ich in diesen Tagen sehr viel mehr Menschen an als sonst. Die Gräber werden für die kommenden Allerheiligentage gerichtet. Während die Natur draußen mit herbstlichem Frühnebel und den fallenden Blättern die Vergänglichkeit des Lebens deutlich macht, erzählen die leuchtenden Herbstblumen und bunten Gestecke auf den Gräbern, dass unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde doch unvergessen sind. Auch wenn sie selbst nicht mehr anwesend sind, haben sie immer noch einen Platz mitten unter uns, denn sie sind Teil unserer eigenen Lebensgeschichte, die sie in vielfacher Hinsicht geprägt haben. Die Blumen und Kerzen sind aber nicht nur Ausdruck unserer bleibenden Liebe und Erinnerung über den Tod hinaus, sondern auch unserer Hoffnung, dass alles Leben auf dieser Welt einmal kein Ende, sondern nur Wandlung und bei Gott, wie immer wir ihn in unserem Leben erfahren und begreifen, ein großes Ziel findet.

Vor Kurzem hat mich ein Satz sehr angerührt, den eine sterbende Frau ausgesprochen hat. Als sie spürte, dass die letzte Stunde kommt, meinte sie ruhig: „Es ist angerichtet!“. „Angerichtet“ ist normalerweise ein Tisch, wenn alle Arbeit getan und das Essen fertig ist. Ist ein gemeinsames Mahl „angerichtet“, bedeutet das auch Zeit zum Ausruhen. Es ist dann Zeit für die Sättigung aller Bedürfnisse, Zeit für Gemeinschaft und für des Lebens großen Genuss. Dankbar bin ich, dass ich aus dieser Hoffnung leben und in dieser Zuversicht einmal heimgehen darf. Wenn „angerichtet“ ist für das große Ziel.

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