Schicksalstag 9. November

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Heute bekommt der Platz vor unserer Mädchenrealschule einen neuen Namen und es bedeutet mir sehr viel, bei der Feierstunde dabei sein zu dürfen. Der Elisabeth-Block-Platz erinnert jetzt an eine Schülerin, die

1938 genau diese Schule ihrer jüdischen Abstammung wegen verlassen musste und später in einem Vernichtungslager umgekommen ist. Der Tag ist nicht zufällig gewählt, denn der 9. November ist ein deutscher „Schicksalstag“. An diesem Datum jährt sich die Novemberrevolution von 1918 mit der Ausrufung der Republik, der Hitlerputsch in München 1923 und die Judenpogrome 1938, mit denen die Demolierung jüdischer Geschäfte und erste Deportationen jüdischer Mitbürger begann. Dass der Fall der Berliner Mauer dann 1989 auch gerade an einem 9. November endgültig besiegelt wurde, ist mehr als denkwürdig. Weil wir unser Leben und unsere Geschichte wenn überhaupt nur rückwärts verstehen können, brauchen wir die Erinnerung. Einer, der sich in besonderer Weise erinnert hat, war Max Mannheimer, ein Überlebender des Holocaust, der später in vielen Klassenzimmern den Schülern unermüdlich seine Geschichte erzählt hat. Auch in einem unserer Gymnasien war er zu Gast und hat unseren Jugendlichen am Ende folgendes Resümee mitgegeben: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was damals passiert ist. Aber ihr seid verantwortlich für die Zukunft. Dafür, dass sich das niemals wiederholt“. Ohne Erinnerung hat ein Mensch keine Vergangenheit und wer sich erinnert, findet seine Identität. Der Blick zurück eröffnet deshalb immer einen guten Weg nach vorn.

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