Zum Jahresschluss der letzte Pieks

von Redaktion

Impfzentrum Rosenheim schließt – Insgesamt 323000 Dosen verabreicht

Rosenheim – Der Countdown läuft: Ende des Jahres ist Schluss mit dem Impfzentrum Rosenheim. Doch wie gefragt ist es überhaupt noch? Ein Besuch vor Ort – und was die beiden Leiter des Impfzentrums, Hans Meyrl und Dr. Michael Riffelmacher, aus den vergangenen zwei Jahren zu erzählen haben. Am 27. Dezember 2020 öffnete das Rosenheimer Impfzentrum seine Pforten. Nach zwei Jahren Dauerbetrieb wird das Impfzentrum – wie alle anderen in Bayern auch – zum Ende des Jahres schließen. In dieser Zeit wurden Tausende Bürger gegen das Coronavirus geimpft.

Nachfrage
hat nachgelassen

„Es war eine anstrengende Zeit und hat alle Beteiligten von Montag bis Sonntag gefordert”, zieht Hans Meyrl, der Leiter des Rosenheimer Impfzentrums, Bilanz. „Aber wir haben es gern gemacht“, schiebt Meyrl sofort hinterher. 

Zu Hochzeiten wurden im Rosenheimer Impfzentrum knapp 2000 Dosen Impfstoff pro Tag an die Bürger abgegeben. Aufgeteilt auf das Impfzentrum, das lange Zeit auf der Loretowiese stationiert war und in dem ein Großteil der Impfungen stattfand, und die mobilen Teams. Die waren in zahlreichen Alten- und Pflegeheimen in Stadt und Landkreis unterwegs, um dort die vulnerablen Menschen zu impfen, die nicht selbst kommen konnten.

Auch die Sonderimpfaktionen und der Impfbus waren nach Meyrls Worten sehr erfolgreich unterwegs.

Mittlerweile hat die Nachfrage deutlich nachgelassen. Derzeit sind es Meyrl zufolge nur noch 80 bis 100 Impfungen pro Tag, die das Ärzteteam in den Räumlichkeiten der Malteser täglich verimpft. Wobei die Nachfrage in den vergangenen Wochen erneut angestiegen ist.

Grund dafür ist der neue Wirkstoff, der an die Omikron-Variante BA.5 angepasst und nun laut Meyrl sehr gerne angenommen wird. Waren es im September noch 825 Impfungen, die verabreicht wurden, stieg die Zahl im Oktober auf mehr als 1650.  Dabei handle es sich überwiegend um Auffrischungsimpfungen, sagt der ärztliche Leiter des Impfzentrums Dr. Michael Riffelmacher. Und die meisten davon, gut 95 Prozent, würden mit dem neuen, auf die Omikron-Variante BA.5 angepassten Impfstoff verabreicht. Andere Impfstoffe seien Riffelmacher zufolge zwar nach wie vor verfügbar, aber die Nachfrage dafür sei nicht hoch. Auch für den neu verfügbaren Totimpfstoff Valneva seien kaum Abnehmer zu finden. Vorrätig sind sie alle dennoch.

Das Problem der schnellen Verderblichkeit der Wirkstoffe, wie es zu Anfang der Impfkampagne noch der Fall war, hat sich Riffelmacher zufolge deutlich verbessert. Die Hersteller hätten die Haltbarkeit verlängert.

Während der ersten eineinhalb Jahre beherbergte die Inntalhalle auf der Rosenheimer Loretowiese das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis. Da die Halle für das Herbstfest benötigt wurde, musste im Juni dieses Jahres ein neues Zuhause gefunden werden. Man wurde in den Räumlichkeiten der Malteser fündig.

Für bundesweites Aufsehen sorgte der Prozess gegen Stefan H., der sich sowohl im Impfzentrum Rosenheim als auch in Karlsfeld als Arzt ausgab (wir berichteten). Er impfte, ohne eine entsprechende Ausbildung zu haben, Hunderte Menschen. Bei weiteren gut 1100 Fällen, so ergaben es die Ermittlungen, trug er die Verantwortung für eine Impfung. Er habe den Menschen helfen wollen, sagte er später, als ihm der Prozess am Traunsteiner Landgericht gemacht wurde. Stefan H. wurde im Mai 2022 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Über den Verlauf der knapp zwei Jahre, die das Rosenheimer Impfzentrum geöffnet hatte, wurden insgesamt 323000 Impfungen verabreicht. Das schließt Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertimpfungen mit ein.

Dennoch wurde in der Region Rosenheim nicht so viel geimpft wie anderswo. Bayernweit liegt die Impfquote derzeit bei rund 75 Prozent der Bevölkerung, die mindestens zweimal geimpft sind. In Stadt und Landkreis Rosenheim sind es lediglich 66 Prozent. Und nur rund 70 Prozent davon haben eine Auffrischungsimpfung erhalten. 

Oberbayerisches
Problem

Das liege aber nicht nur an Rosenheim, meint Hans Meyrl. Das sei eher ein oberbayerisches Problem. Die Bevölkerung hier sei schon immer impfmüde gewesen. Auch andere Impfungen würden in der Region nur schlecht angenommen. Gescheitert sei die Impfkampagne deswegen aber keineswegs, sagt Michael Riffelmacher. Künftig sollen die Corona-Impfungen nur noch von den Hausärzten und Apothekern durchgeführt werden. Was Riffelmacher allerdings skeptisch sieht. Ärzte, wie sie auch im Impfzentrum vor Ort sind, kämen der Vorsorgepflicht nach. Sollten sich aufgrund der Impfung allergische Reaktionen einstellen, könnten die Ärzte sofort eingreifen. Der Apotheker müsste zuerst den Notarzt rufen. Ende des Jahres wird dann der Staffelstab endgültig an Hausärzte und Apotheker übergeben, wenn der Schlussstrich gezogen wird. Die Impfzentren haben ausgedient.

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