Rosenheim – Die vergangenen Wochen, sie waren sehr bunt. Zumindest im Vergleich zu den beiden Vorjahren. Es fanden statt das Herbstfest in Rosenheim und andere Volksfeste, es fanden statt die Leonhardi-Ritte, es wird aufgebaut für Weihnachtsmärkte. Corona, das kann man am Wiederaufleben der Großveranstaltungen nach zwei Jahren Pause sehen, hat seinen Schrecken verloren.
So etwas wie eine offizielle Bestätigung dieses Eindrucks folgt nun auch aus dem Staatlichen Gesundheitsamt. Zumindest auf den ersten Blick. Die Herbstwelle sei „weitgehend abgeklungen“, berichtet Dr. Wolfgang Hierl im jüngsten Corona-Lagebericht (Stand 17. November, Mitternacht). Er gibt jedoch auch ein großes „Aber“ zu Protokoll. Die Fallzahlen sinken zwar, sie seien jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Sie beruhten nur auf den gemeldeten positiven PCR-Befunden. Positive Antigentests würden hingegen oft nicht mehr durch eine PCR-Untersuchung abgesichert. „Wie oft gar kein Test gemacht wird, darüber lässt sich nur spekulieren“, meint Hierl.
15 Verstorbene mit positivem Nachweis
Aufhorchen lässt die Zahl der Verstorbenen mit Corona. 15 Tote meldet das Gesundheitsamt in seinem neuen Bericht, insgesamt klettert die Zahl der im Zusammenhang mit Corona verstorbenen Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim auf 930. Allerdings bedürfen diese Zahlen der Einordnung: Die Zahlen wurden nachgemeldet, nach Angaben des Gesundheitsamtes hat keiner der 15 Verstorbenen sein Leben in den vergangenen zwei Wochen verloren. Zum anderen taucht Corona nach wie vor oft als Diagnose neben anderen, schweren Erkrankungen auf.
Und noch ein „Aber“ kommt von Seiten Hierls: In den Kliniken sei die Lage weiterhin angespannt. Nicht so sehr wegen der vielen Corona-Positiven, die auf Normal- oder Intensivstationen liegen. 174 sind es in der gesamten Region, sieben davon werden intensiv betreut (vor zwei Wochen 145, beziehungsweise fünf).
Aber da haben die Krankenhäuser schon weit Schlimmeres erlebt. Im Romed-Klinikum in Rosenheim zum Beispiel vermeldet man gerade 33 positiv getestete Patienten, davon zwei auf der Intensivstation. Im Vergleich: Genau ein Jahr zuvor waren es 112 Patienten, davon 19 auf der Intensivstation.
Was Krankenhäusern mehr zu schaffen macht, ist die Dreifach-Wirkung von Corona: Nicht nur fällt Personal mit Covid-Symptomen aus, sondern auch wegen der Überlastung der vergangenen zweieinhalb Jahre und der im Infektionsschutzmaßnahmengesetz verankerten Isolationsregeln. Mindestens fünf, höchstens zehn Tage lang hat ein Mitarbeiter, der positiv getestet wurde, „Betretungsverbot“.
Wolfgang Hierl appelliert in dieser neuen Phase der Pandemie ans Verantwortungsgefühl. Die Isolationsregeln für positiv Getestete seien weitgehend abgeschafft worden. „Das ist aber kein Freibrief für ein unbedachtes Verhalten, sondern stellt im Gegenteil hohe Anforderungen an Verantwortungsbewusstsein und Achtsamkeit gegenüber den Schwächeren in der Gesellschaft.“
Für positiv Getestete bestehe nunmehr eine Maskenpflicht außerhalb der eigenen Wohnung sowie ein striktes Besuchsverbot für medizinische Einrichtungen, mahnte Hierl. Jedem positiv Getesteten sei darüber hinaus zu empfehlen, sich freiwillig in Selbstisolation zu begeben und unnötige Kontakte zu vermeiden. Der Besuch öffentlicher Veranstaltungen, aber auch Kontakte zu Risikogruppen sollten absolut tabu sein.
Menschen mit Vorerkrankungen sollten in Innenräumen Masken tragen und den Impfschutz vervollständigen. Die Nachfrage nach Impfungen in der Region ist weiterhin gering. Das Impfzentrum von Stadt und Landkreis bei den Maltesern gab laut Leiter Hans Meyrl zuletzt täglich nur noch 80 bis 100 Impfdosen aus.
Die Zahlen in der Region Rosenheim
1043 Menschen haben sich nach offizieller Zählung in den vergangenen zwei Wochen mit Corona angesteckt, 207 in der Stadt Rosenheim, 836 im Landkreis. Die 7-Tage-Inzidenz befindet sich im langsamen Sinkflug, auf 139,3 im Landkreis (vor einer Woche noch 178,1), auf 135,4 in der Stadt Rosenheim (190,5). Für die Inzidenzzahlen gilt, was Wolfgang Hierl für die reine Zahl der Ansteckungen ausführt: Aufgrund der vermutlich hohen Dunkelziffer sind sie von gemindertem Aussagewert.