Für das Gespräch zur Vorbereitung auf die Beerdigung seiner Frau besuche ich einen älteren Witwer zu Hause, denn seine Sehkraft ist stark eingeschränkt. Auf einem Auge sieht er so gut wie gar nichts mehr, auf dem anderen noch zehn Prozent. Staunen muss ich aber, wie sicher er sich in seiner Wohnung bewegt, wo ihm jeder Winkel vertraut ist und noch mehr, als er mir in seiner Küche ruhig einen handgefilterten Kaffee aufbrüht. Ich nehme schon wahr, wie er nach den Gegenständen tasten muss und manchmal auch daneben greift. Einen Stich ins Herz versetzt mir der Blick auf seine riesige Bibliothek mit Hunderten von Büchern klassischer Literatur. Die habe er alle einmal gelesen, erzählt er mir. Früher, als er noch sehen konnte. Leise stelle ich mir die Frage, wie er jetzt nach dem plötzlichen Tod seiner Frau allein zurechtkommen wird. Auch das ist Advent 2022.
Im Dunkeln sitzen viele, denen im wahrsten Sinn des Worts das Licht ausgegangen ist. Der trauernde Witwer, die Menschen in den ukrainischen Städten, in denen die Stromversorgung zusammengebrochen ist und die, die mitten unter uns auch bei hellster Festbeleuchtung kein Licht mehr am Ende des Tunnels sehen können. Menschen mit Depressionen und auch solche, die viele Sorgen und Probleme haben. „Ein Licht leuchtet auf in der Dunkelheit“, singen wir in einem Adventslied. Es erzählt von unserem tastenden Vertrauen auf Gottes Ankommen in der Welt: Ein Licht der Erleuchtung, der Hoffnung, des Trostes und der inneren Stärke, das ich vielen Menschen in diesem Advent wünschen möchte.