Ruf nach gemeinsamem Fahrschein

von Redaktion

MVV-Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch zu Gast bei der SPD Rosenheim

Rosenheim – Dr. Bernd Rosenbusch ist jemand, der konsequent auf Bus und Bahn setzt. Und damit auch die ein oder andere Verspätung in Kauf nimmt. Wie etwa bei seinem letzten Besuch in Rosenheim. Der Rosenheimer SPD-Fraktionsvorsitzende Abuzar Erdogan und seine Kollegen hatten den MVV-Geschäftsführer eingeladen, um mit ihm über die Vor- und Nachteile einer MVV-Anbindung zu diskutieren.

Abgestimmter
Fahrplan nötig

Um 19.15 Uhr begann die Veranstaltung im Stellwerk 18, um 19.45 Uhr trudelte der Zug von Bernd Rosenbusch mit einer 30-minütigen Verspätung im Rosenheimer Bahnhof ein. Davon aus der Ruhe bringen ließ sich der Geschäftsführer nicht. Mithilfe einer Powerpoint-Präsentation erklärte er den rund 100 Zuschauern – 50 nahmen virtuell teil – warum sich die Kommunalpolitiker dafür aussprechen sollten, dass die Stadt Rosenheim an den Münchner Verkehrsverbund (MVV) angeschlossen wird.

„Um von Rosenheim zum Schliersee zu kommen, braucht es im Moment drei Tickets“, sagt der Geschäftsführer. Das sei für viele Nutzer eine Hürde, weil die Menschen nicht wüssten, was die drei Fahrkarten kosten, welches das beste Angebot ist und wo es die Fahrkarten zu kaufen gibt. Mit einer Anbindung an den MVV würde sich das laut Bernd Rosenbusch ändern. Er spricht von einem Fahrschein für alle Verkehrsmittel, einem einheitlichen Vertrieb, einem abgestimmten Fahrplan für Bus und Bahn, Kostenvorteilen sowie professionellen Echtzeitinformationen.

Ein weiterer Vorteil sei zudem, dass in Stadt und Landkreis Rosenheim jährlich rund eine Million Autofahrten weniger stattfänden. Auch gebe es beim MVV ein 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis. „Ein attraktiver ÖPNV führt zum Umstieg und damit zur Entlastung der Straße, der Städte und der Umwelt“, ist sich Rosenbusch sicher.

Er erinnert aber auch daran, dass ein MVV-Beitritt keineswegs bedeuten würde, dass in der Stadt „plötzlich alle fünf Minuten ein Bus fährt“. Das sei die Sache der jeweiligen Aufgabenträger – also der Stadt oder des Landkreises. Worauf es ihm als Geschäftsführer ankomme, sei, dass die Verknüpfung zwischen Bahn und Bus optimiert wird. Heißt: möglichst geringe Wartezeit am Bahnhof auf den Bus oder andersherum.

Eine der wichtigsten Fragen, die während der Veranstaltung aufkommt: ob eine Verbund-Erweiterung trotz Deutschlandtickets sinnvoll ist. „Da es sich dabei um eine Monatskarte im Abo handeln wird, können damit Angebote für Personen, die nur gelegentlich mit dem ÖPNV unterwegs sind, häufig nicht ersetzt werden“, sagte Rosenbusch. Seiner Meinung nach sind die 588 Euro, die man im Jahr für ein 49-Euro-Ticket zahlen würde, immer noch deutlich mehr als ein Großteil ausgeben würde.

Ein MVV-Beitritt sei also nach wie vor wichtig. Angemerkt wurde während der Veranstaltung auch, dass die Bahncard 50 beim MVV nicht zählt. „Wir haben sehr günstige Tageskarten“, entgegnete Rosenbusch. Gerade Gelegenheitsfahrer seien – mit einem Preis von 17 Euro – günstiger unterwegs als mit einer Bahncard. Und auch sonst könnte es für die ein oder andere Strecke etwas günstiger werden. So bezahlt man beispielsweise im Moment für die neun Haltestellen von Oberwöhr zur Klepperstraße 2,10 Euro. Nach einem MVV-Beitritt läge der Preis bei 1,80 Euro. Etwas teurer wäre es bei einer Kurzstrecke.

Während eine Fahrt von der Stadtmitte zur Berufsschule im Moment 1,60 Euro kostet, läge der Preis nach einem Beitritt um 30 Cent höher. Noch deutlicher ist der preisliche Unterschied bei einer Fahrt vom Wasserburger Busbahnhof bis zum Haupteingang des Romed-Klinikums in Rosenheim. Im Moment braucht es dafür drei unterschiedliche Tickets, die Kosten liegen bei 9,25 Euro.

Nach einem MVV-Beitritt bräuchte es lediglich ein Ticket, bei einem Preis von 5,30 Euro. Ein Grund für die günstigeren Fahrpreise sei unter anderem der Tatsache geschuldet, dass die Einstiegsgebühr wegfällt. Bei einer Fahrt von Miesbach nach Rosenheim würde dieser Obolus dementsprechend zweimal wegfallen. Das verbleibende Drittel der Einnahmen aus den Einstiegsgebühren teilen sich in diesem Fall die BRB, Miesbach und die Stadt Rosenheim. Die anderen zwei Drittel sind Verluste, die von den jeweiligen Aufgabenträgern geschultert werden müssen.

Hohe Kosten für
die Stadt

Neben den Mindereinnahmen muss die Stadt zudem Initial- und Regiekosten bezahlen. Gemeint ist damit zum einen die Ausstattung der Busse, die Aufrüstung der Haltestellen sowie die Programmierung der Automaten. Laut Rosenbusch würden jährlich rund 500000 Euro auf die Stadt an Kosten zukommen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass ein MVV-Beitritt nicht die Probleme lösen wird, die wir im Moment mit dem ÖPNV haben“, sagte Abuzar Erdogan.

Aber es sei ein Schritt in die richtige Richtung. Ob die Stadt Rosenheim diesen Schritt mitgeht, soll Anfang des kommenden Jahres entschieden werden.

Zumindest die SPD vertritt eine deutliche Meinung: „Die Folgen eines Beitritts wären deutlich günstigere Einzelfahrkarten für Fahrten in Rosenheim, ein verbessertes Fahrgastinformationssystem und eine Attraktivitätssteigerung des ÖPNV im Allgemeinen. Für uns ein Grund, dem Beitritt zuzustimmen“, sagt der Fraktionsvorsitzende.

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