Rosenheim – „Die Körpergrenzen, wie wir sie bisher kannten, sind noch nicht ausgelotet.“ Wie sieht der menschliche Körper der Zukunft aus? Und wie erfahren zukünftige Generationen die Welt? Mögliche Antworten will das Künstlerkollektiv „Adelheid“ ab heutigen Freitag in ihrer Ausstellung in Rosenheim liefern.
Videoarbeiten
und Skulpturen
Nach ihrer ersten Kunstausstellung „Sehnsuchtsorte“ im Mai in der Alten Druckerei, haben Claudia Hanslmeier und Elaine Hermann eine neue Idee zum Leben erweckt. Unter dem Thema „Beyond the body – tentacular extensions“ sollen Besucher des Affekts mögliche Antworten über die Erweiterung des menschlichen Körpers erfahren. Das gelingt durch eine Ausstellung mit Installations-Arbeiten, Performance-Kunst, Videoarbeiten und Skulpturen internationaler Künstler. In ihrer kuratorischen Praxis gehe es darum, einen „roten Faden“ und ein Konzept zu bilden, erzählt Hanslmeier. Dieses haben sie in ihrem Thema „Beyond the Body – tentacular extensions“ gefunden. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Jenseits des Körpers – tentakelartige Erweiterungen“. Eine Inspiration für das Thema sei zum einen der technologische Fortschritt in Verbindung mit dem menschlichen Körper gewesen. Von Herzschrittmachern über Prothesen, so die Kunstschaffende, „die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen.“ Doch auch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier habe sich verändert, da den Tieren immer mehr Intelligenz angesehen wird. „Die Körpergrenzen, wie wir sie bisher kannten, sind noch nicht ausgelotet“, erklärt sie. Die Frage, wie zukünftige Generationen diese wahrnehmen werden, sei dabei besonders interessant.
Auch die US-Amerikanische Philosophin Donna Haraway beschäftigte sich mit diesem Thema. Sie bezeichnet diese Erweiterung des Körpers als „tentakuläres Denken“. Die „reflexive Praxis“ der Künstler beziehe sich auf diese Philosophin, so Hanslmeier. „Die Dekonstruktion des Körpers ist ja schon weit verbreitet, aber es geht weiter und dazu möchten wir nach Antworten suchen.“
„Wo fängt der Mensch an und wo hört er auf?“: Um mögliche Antworten zu liefern, haben Hanslmeier und Herrmann auf überregionalen Plattformen nach Künstlern gesucht und zahlreiche professionelle Künstler haben sich gemeldet. Die Auswahl sei nicht leicht gewesen, denn es seien viele gute Arbeiten dabei gewesen, so Hanslmeier. Letztendlich haben sie jedoch fünf Künstler gefunden, mit deren Werken sie jetzt versuchen eine Geschichte zu erzählen.
Darunter ist das Künstlerpaar „Mediendienst Leistungshölle“, bestehend aus Stephanie Müller und Klaus Erika Dietl. Erst vor Kurzem wurden sie mit dem Kulturförderpreis Rosenheim ausgezeichnet. Über Social Media seien die beiden auf das Kollektiv „Adelheid“ gestoßen, so Müller. Die Ausschreibung der Ausstellung habe sie dabei auch gleich angesprochen.
„Wir hatten das Gefühl, da haben ein paar Menschen Lust, Fragen zu stellen, sich auf die Suche zu machen und nach vorne zu schauen“, erzählt sie. Ihre außergewöhnlichen und vielseitigen Installationen und Performances werden Teil der Rosenheimer Ausstellung sein. Zur heutigen Eröffnung werden sie dort um 21 Uhr eine Sound-Performance machen.
Außerdem sind noch drei weitere Künstler in der Ausstellung vertreten. Ob durch das Eintauchen in die anregenden Darstellungen der Künstlerin Anna Pasco aus Barcelona, die digitalen Arbeiten von Sven Windszus aus Berlin oder den Skulpturen von Celia Trezzini aus Zürich, interessierte Besucher werden Anregungen zu den Grenzen des Körpers finden. Es sei Zeit für Adelheid gewesen, sich ein neues „Wohnzimmer“ zu suchen, sagt Hanslmeier. Gefunden hat sie dieses im Rosenheimer Affekt. Adelheid ist eine fiktive Frau, eine „Gastgeberin“. Sie stellt das Künstlerkollektiv dar, erklärt Hanslmeier. Adelheid will die Welt bereisen und, die „Fragen“, die sie sich stellen, in ihrem „Wohnzimmer“ präsentieren.
Ein perfektes
Zuhause
Die Räumlichkeiten des Kultur Pop-Ups seien für die Ausstellung optimal geeignet, da sie „atypisch“ seien, so Hanslmeier. Sie entsprechen nicht dem klassischen Ausstellungsraum, und genau das sei der Wunsch der beiden Künstlerinnen gewesen. Generell sei die Gestaltung des Affekts sehr interessant und dieses deshalb das perfekte neue Zuhause für Adelheid. Die Kunstausstellung kann vom 16. bis 18. Dezember und am 23. Dezember jeweils von 19 bis 24 Uhr besucht werden. Sie findet im Affekt Rosenheim in der Wittelsbacherstraße 37 statt. Die Vernissage ist heute, Freitag, von 19 bis 24 Uhr.Isabella Wildemann