Meine Großmutter hatte elf Kinder, die hineingeboren wurden in harte Kriegsjahre und äußerst bescheidene Verhältnisse. Geld war kaum bis nicht vorhanden und so war auch an Weihnachten an Geschenke nicht recht zu denken. Trotzdem ist meine Oma sehr kreativ gewesen. Um ihren Kindern etwas schenken zu können, hat sie sich von einer wohlhabenderen Familie eine Ritterburg ausgeliehen, die aber nach Weihnachten leider zurückgegeben werden musste. Nach den Weihnachtsfeiertagen war die Herrlichkeit plötzlich verschwunden. Meinen eigenen Kindern konnte ich Gott sei Dank immer etwas unter den Christbaum legen, das sie nach Weihnachten auch behalten durften, aber mein Vater hat zeitlebens von diesem Weihnachtsabend während des Krieges und der Freude über diese wunderbare Ritterburg erzählt. In den letzten Tagen habe ich im Radio oft den Werbeslogan gehört: „Vor Weihnachten kaufen, nach Weihnachten bezahlen!“. Auch wenn ich um die vielen Menschen weiß, die jeden Euro umdrehen müssen, gilt der Grundsatz wohl nicht mehr, den mir meine Eltern schon als Kind erklärt haben: „Man kann immer nur das kaufen, was man auch bezahlen kann.“ Das größte Geschenk an Weihnachten sind ohnehin nicht materielle Präsente, sondern die Liebe unserer Familie und guter Freunde, ohne die wir nicht leben können. Das allergrößte Geschenk aber ist gratis. Dieses Wort kommt von „gratia“ und bedeutet „Gnade“. Der Himmel kommt auf die Erde in einem verletzlichen Kind in der Krippe, damit Gott selber an unserer Seite ist. Geschenk für alle! Gratis, aber nicht umsonst.