Rosenheim/Rohrdorf/Raubling – Binnen weniger Wochen hielten drei massive Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg Bürger aus Rosenheim und Rohrdorf in Atem: Die erste 250-Kilo-Bombe legte ein Baggerfahrer an einem Freitagmorgen Ende Juli bei Bauarbeiten mitten im Ortskern von Rohrdorf frei. Das Rathaus, das Hotel zur Post, Geschäfte sowie die Grund- und die Montessorischule mussten geräumt werden. Außerdem wurden rund 500 betroffene Personen evakuiert.
Dorfhaus wird
zur Auffangstation
Die Turnhalle am Turner Hölzl kam als Aufenthaltsort für sie nicht in Frage – sie befand sich im Sicherheitskreis. Kurzentschlossen machte Bürgermeister Simon Hausstetter das Lauterbacher Dorfhaus zur Auffangstation. Beim Rohrdorfer Gemeindeoberhaupt kamen durch den Fund der Bombe Familienerinnerungen hoch: Er hatte recherchiert, dass es sich bei dem gefährlichen Koloss ein Überbleibsel eines Notabwurfs vom 22. Februar 1945 handeln musste, der etwa neun Rohrdorfer das Leben gekostet hat – „unter anderem auch die erste Frau meines Großvaters“. 140 Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst rückten dann begleitend zur Räumung in Rohrdorf an. Kurz nach 15 Uhr machte sich schließlich der Kampfmittelräumdienst ans Werk, bereits um 15.32 Uhr gab es die ersehnte Entwarnung – die Bombe war erfolgreich entschärft worden. Für die Rohrdorfer Kinder war das ein aufregender letzter Schultag vor den Sommerferien.
Nerven kostete zahlreiche Rosenheimer Anwohner und den eilends eingerichteten Krisenstab der Stadt auch die „nur“ 80 Zentimeter lange und 50 Kilo leichte, dennoch nicht minder brandgefährliche Bombe, die auf der BayWa-Wiese am 23. August gegen 14.30 Uhr entdeckt wurde. Ebenfalls bei Bauarbeiten. Der Kampfmittelräumdienst aus Ingolstädter und Münchener Spezialisten war schnell zur Stelle. In einem Radius von 300 Metern wurden 1400 Personen evakuiert und kamen in der Schulturnhalle in Aising unter. Sicherheitshalber wurde die Kreuzung an der Kufsteiner Straße/ Miesbacher Straße beidseitig gesperrt. 280 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungs- und Sanitätsdienst, Bergwacht, THW und Polizei waren im Einsatz.
Dem Räumdienst präsentierte sich im Erdreiche eine stark verrostete Bombe, gefüllt mit 20 Kilo geballter Sprengkraft – „und zwei intakten Zündern“, wie Stadtsprecher Christian Baab bestätigte. Doch wie schon kurz zuvor in Rohrdorf verlief die Entschärfung schnell und erfolgreich, und noch vor 21 Uhr konnten alle Anwohner zurück in ihre Häuser kehren.
Einen großen Schreck jagte schließlich Bombe Nummer drei an einem Dienstagabend im November den Raublingern ein. Sie war bei Baggerarbeiten an der Breiteicher Straße im Ortsteil Pfraundorf aufgetaucht. Noch in der selben Nacht entscheidet sich die Einsatzleitung für die Entschärfung. Rund 1000 Bürger im Umkreis von 500 Metern mussten ihre Häuser verlassen, auch ein Pflegeheim mit 28 bettlägerigen Bewohnern war davon betroffen. Rettungswägen verteilten diese auf umliegende Krankenhäuser. Anderen Anwohnern diente die Raublinger Gemeindehalle als vorübergehende Unterkunft.
Nervenkitzel
bei Entschärfung
Diesmal konnten die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst nicht so routiniert vorgehend wie ihre Kollegen in Rohrdorf und Rosenheim – direkt neben der Baugrube verläuft eine Erdgasleitung. Nervenkitzel bei der Entschärfung: Laut Kreisbrandrat Richard Schrank hatte die 250-Kilo-Bombe zwei Aufschlagzünder, einer davon schon stark korrodiert. Und doch ging am Ende alles gut, so das Resümee dieser Nacht von Bürgermeister Olaf Kals- perger.sen