Einer von uns war Papst

von Redaktion

Benedikt XVI. stirbt mit 95 Jahren – Gläubige aus der Region in großer Trauer

Traunstein – Eine besondere Verbindung, die über den Tod hinaus bestehen bleibe – mit diesen Worten würdigte der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch in einer ersten Reaktion den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. Der Stadt Traunstein war Joseph Ratzinger stets verbunden: Er ging dort zur Schule, besuchte das Studienseminar und feierte in der Pfarrkirche St. Oswald Primiz und Priesterjubiläum.

Walch unterstrich weiter, dass Joseph Ratzinger ein sehr besonderer Sohn der Heimat, ein großer Chiemgauer gewesen sei. Er habe unwahrscheinlich viel getan für die katholische Kirche, für die Christenheit, aber selbstverständlich auch für unsere Region, seine Heimat.

„Mit Trauer habe ich vom Tod unseres emeritierten Papstes Benedikt XVI. erfahren. Er war und ist eine große Persönlichkeit und ein großer Traunsteiner. Benedikt XVI. hat die Kirche und die Christenheit geprägt – als Theologe, Kardinal und Papst“, würdigte der Traunsteiner Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer das Wirken Benedikts. Mit seiner großen intellektuellen Gabe habe er gesellschaftliche und philosophische Debatten wesentlich beeinflusst. Hümmer: „Im Herzen ist er immer Traunsteiner, Chiemgauer und Bayer geblieben.“ Er werde ihn als unglaublich nahbar, humorvoll und eben alles andere als ein kühler und scheuer Intellektueller, als der er so oft fälschlicherweise beschrieben wurde, in Erinnerung behalten.

Enge Verbindung
zu Rimsting

Johann Nußbaum, 82, aus Rimsting, ist einer der wenigen Menschen, die von sich behaupten können, die Familie des emeritierten Papstes Benedikt XVI – Joseph Ratzinger – zu kennen und mehrmals getroffen zu haben. Nußbaum ist außerdem Autor der beiden Ratzinger-Bücher „Poetisch und herzensgut“ und „Ich werde mal Kardinal“, ein Ausspruch des einst dreijährigen Joseph Ratzinger.

Papstmutter Maria Rieger ist in Rimsting aufgewachsen und hat dort gewohnt, bis sie 1920 Joseph Ratzinger geheiratet hat. Das Bäckerhaus Rieger steht heute noch. Nußbaum im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich bin traurig, dass Joseph Ratzinger gestorben ist. Ich kannte ihn und auch seinen Bruder Georg recht gut und habe ihn auch in Rom besucht. Er hat eine große Zeitspanne voller Veränderungen durchlebt, inklusive Krieg, war zuletzt hochbetagt und ist friedvoll eingeschlafen. Mit ihm ist nach 500 Jahren das erste Mal ein Bayer auf dem Papstthron gesessen. Das erfüllt mich mit großem Stolz, nicht zuletzt war er auch in der Region sehr stark verwurzelt. Meine Begegnungen mit unserem „bayerischen Papst“ habe ich in bester Erinnerung, weil stets seine Liebe zu Bayern zu spüren war.“ In Rimsting feierte Joseph Ratzinger mit seinem Bruder Georg am 30. Juli 1951 die Nachprimiz.

Schöne Erinnerungen an den Papst hat auch unser Mitarbeiter Uwe Hecht aus Bad Aibling: „Anlässlich des Besuches der Gebirgsschützen zu seinem 75. Geburtstag als damaliger Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation hat er unsere Abordnung gefragt, „Wo kommt ihr denn her?“ Auf die Antwort „aus Bad Aibling“ hat er dann gesagt „Ach, Bad Aibling; da war mein Vater schon Gendarm“. Eine spätere Recherche habe das bestätigt.

Mitschüler
erinnert sich

So wusste Ludwig Engl-meier, dass Ratzinger senior Zither gespielt hat und sich noch mit Aiblingern, unter anderem Josef Kreuzpaintner (inzwischen gestorben) dazu im damaligen Café Arnold getroffen hat (siehe Bericht unten).

Als Jugendlicher wurde der junge Joseph Ratzinger in den letzten Kriegstagen noch als Flak-Helfer zur Wehrmacht eingezogen, geriet in amerikanische Gefangenschaft und wurde ins Gefangenenlager nach Mietraching deportiert. Rupert Anzenberger aus Aschau am Inn war ein Mitschüler von Papst Benedikt. Er nahm die Nachricht vom Tode Ratzingers mit Trauer auf: „Ich kann an Silvester meinen 96. Geburtstag feiern. Nun ist mein Geburtstag sein Todestag, das macht die Sache für mich ein bisschen schwer.“

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