Aschau – Das Gewaltverbrechen von Aschau, dem Hanna (23) im Oktober 2022 zum Opfer fiel, dürfte einer der kompliziertesten Fälle der vergangenen Jahre in der bayerischen Kriminalgeschichte sein. Nun aber deutet einiges darauf hin, dass die Soko „Club“ dem Abschluss der Ermittlungen näher kommt.
Mittlerweile habe man die meisten Vernehmungen abgearbeitet, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Deutlich über Tausend Befragungen – überwiegend unter den Gästen im Club „Eiskeller“ – hätten die Ermittler absolviert. Rund 200 stehen noch aus.
Dass die Experten der Polizei ihrem Ziel näher kommen, lässt auch die Größe der Soko vermuten: Waren es in Spitzenzeiten bis zu 60 und Ende 2022 noch 34 Ermittler, so arbeiten nun noch 20 Beamte an der Rekonstruktion des fatalen Abends, sagt Sonntag. Viele Bereiche der Ermittlungen seien mittlerweile weitgehend abgeschlossen. Wenn die Polizei ihre Mission abgeschlossen hat, wird sich die Staatsanwaltschaft in Traunstein eine Anklage gegen den im November festgenommenen Verdächtigen prüfen. Der „Heranwachsende“, ein 18- bis 21-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Rosenheim, macht bislang von seinem Schweigerecht Gebrauch.
Noch immer arbeiten die Beamten an der Rekonstruktion des Abends. „Wir wollen herausfinden, wer wann wo im ,Eiskeller‘ war“, sagt Sonntag. Dazu dienen vor allem die Bilder der Überwachungskameras, Daten im Umfang von 50 Gigabyte. Hunderte Gäste hätten sich im Club aufgehalten, von vielen habe man erst im Laufe der Vernehmungen erfahren. „Da erzählten uns dann Gäste von Freunden und Bekannten, die auch da gewesen seien, manchmal drei, vier Namen, manchmal aber auch nur Spitznamen, die wir dann auch erstmal rausbekommen mussten“, sagt Sonntag. Nun könne man davon ausgehen, dass weitestgehend alle Besucher ermittelt worden seien. Auch die Holzkern-Uhr sei weitere eine wichtige Spur.
Der Tatverdächtige wird von Verteidiger Harald Baumgärtl vertreten. Der rechnet nicht mit einem Verhandlungstermin noch im Frühjahr. Es sei schon überraschend, wenn bis dahin die Anklageschrift vorliege, sagt Baumgärtl. „Aber 2023 wird der Fall sicherlich zu einem Ende kommen“, so seine Einschätzung. Michael Weiser