Vier schwere Unfälle seit Dezember

von Redaktion

Auf B15 bei Schechen gibt es innerhalb von zwei Monaten zwei Tote und acht Verletzte

Schechen5. Dezember 2022: Bei der Einfahrt vom Parkplatz Erlensee auf die B15 übersieht ein 85-Jähriger ein mit jungen Leuten voll besetztes Auto: Fünf Menschen werden schwer verletzt. 12. Dezember 2022: Eine 31-jährige Autofahrerin übersieht beim Überholen ein entgegenkommendes Auto: Durch die Wucht des Aufpralls landet die Rotterin im Graben. Verletzt wird niemand. 17. Dezember 2022: Ein 76-jähriger Autofahrer gerät auf der B15 bei Schechen auf die Gegenfahrbahn und stößt mit einem entgegenkommenden Auto zusammen: Drei Verletzte landen im Krankenhaus. 1. Februar 2023: Zwei Autos krachen auf der B15 bei Hochstätt frontal ineinander: Die beiden Fahrer sterben.

Alle neun Tage
kracht es

Binnen weniger Wochen gab es auf der B15 bei Schechen vier schwere Unfälle. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei dort insgesamt 40 Unfälle, wie Polizeihauptkommissar Robert Maurer mitteilt – mit einer getöteten Person, einem Schwerverletzten, 16 Leichtverletzten und 17 Wildunfällen. Durchschnittlich kam es demnach alle neun Tage zu einem Unfall. Im Vorjahr passierten 28 Unfälle, zwölf weniger als 2022 und im Durchschnitt nur alle 13 Tage – mit einem Schwerverletzten, drei Leichtverletzten und fünf Wildunfällen. Bei einem Zusammenstoß gestorben ist 2021 niemand.

Ist die Strecke womöglich zu unübersichtlich? Maurer zufolge ist der Streckenverlauf der B15 „gut ausgebaut“. Früher ging die Bundesstraße durch Hochstätt und Schechen. Eine Umgehung wurde Mitte der 90er- Jahre gebaut. „Natürlich gibt es immer Verbesserungen, die mit dem Träger der Straßenbaulast besprochen werden müssen“, sagt Maurer. Besonders im Bereich der Einfahrt nach Marienberg (RO29) häufen sich die Unfälle laut dem Hauptkommissar. Die Unfallhäufung werde nach einem Punktesystem berechnet. Jeder Leicht- oder Schwerverletzte, Tote oder Verkehrsunfall ohne Verletzte wird dafür in eine Skala eingebettet. „Wenn ein Wert überschritten wird, reden wir von einer Unfallhäufung“, erklärt der Hauptkommissar. Und das ist bei der Einfahrt nach Marienberg der Fall.

Um Unfälle zu vermeiden, führe die Polizei dort ein- bis zweimal die Woche Tempo-Messungen zu unterschiedlichen Zeiten durch. Derzeit liege die Quote der Beanstandungen unter einem Prozent. Auch mit dem Lasergerät sind die Beamten unterwegs, um die Geschwindigkeit zu überwachen. „Größere Auffälligkeiten oder Raser konnten wir dabei nicht feststellen“, sagt Maurer. Eine der Hauptunfallursachen sei dennoch die überhöhte Geschwindigkeit. Der Hauptkommissar empfiehlt Autofahrern, ihre Geschwindigkeit an die örtlichen Gegebenheiten – Witterung und Fahrbahnverhältnisse – anzupassen.

Während die Polizeiinspektion Rosenheim für die B15 bei Schechen zuständig ist, kümmern sich die Wasserburger Kollegen um den Bereich zwischen Rott und Soyen. Auf die Frage, wie gefährlich eine Fahrt auf der Bundesstraße dort ist, entgegnet Markus Steinmaßl, Leiter der Polizeiinspektion Wasserburg: „Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht.“ Der Verkehr auf den Straßen nehme zu. Es gebe Unfallschwerpunkte und Unfallhäufungen. Es sei nicht möglich, allgemein gültige Aussagen zu treffen. Jede Unfallstelle habe ihre „Eigenheiten“. Es gebe Stellen, die jahrelang unauffällig seien, dann zum Häufungspunkt werden und nach kurzer Zeit wieder unauffällig seien.

Unauffällig scheint zumindest die Einfahrt nach Marienberg nicht. Unter bestimmten Voraussetzungen können Kommunen Tempolimits als Schutzmaßnahme anordnen. Die Bedingungen sind in der Straßenverkehrsordnung geregelt. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Straßen des überörtlichen Verkehrs – also Bundes-, Landes- und Kreisstraßen – sind nach Paragraf 45 Absatz 9 der Straßenverkehrsordnung möglich. Jedoch nur, wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung erheblich übersteigt.

Verkehrsmaßnahmen kommen laut Landratsamt-Sprecher Michael Fischer deshalb nur in Betracht, wo ein Verkehrsteilnehmer mögliche Gefahren nicht erkennen kann und die Verhaltensregeln der Straßenverkehrsordnung für einen sicheren und geordneten Verkehrsablauf nicht ausreichen. Im Bereich der Einmündung von der B15 nach Marienberg wurde die Geschwindigkeit aufgrund der Unfallhäufung bereits auf 80 km/h beschränkt.

Nach der vergangenen Unfallkommission wurde Fischer zufolge ein zusätzliches Zeichen mit Hinweis auf die 80er-Zone am Beginn der Linksabbiegerspur aufgestellt. „Zur Verdeutlichung der bestehenden Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde“, sagt der Sprecher. Ein generelles Tempolimit für die B15 sei jedoch ausgeschlossen. Denn nach der Straßenverkehrsordnung sind Verkehrszeichen nur an Stellen anzuordnen, an denen dies aufgrund besonderer Umstände zwingend erforderlich ist.

Geschwindigkeit
anpassen

Fischer appelliert an die Verkehrsteilnehmer: „Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht.“ Menschen müssten laut Straßenverkehrsordnung ihre Geschwindigkeit den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen, persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anpassen.

Auch Schechens Bürgermeister Stefan Adam weiß, dass „kleine Unaufmerksamkeiten“ zu schweren Unfällen führen können. Besonders Einfahrten oder Kreuzungen an viel befahrenen Straßen seien gefährlich. Adam ist seit über 30 Jahren Mitglied bei der Feuerwehr und hat viele Kollisionen miterleben müssen. „Jeder einzelne Unfall mit Personenschaden ist tragisch“, sagt er.

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