Raubling – Oben wird gearbeitet, unten fließt der Transitverkehr. Ohne Sperrung der Autobahn begannen am Donnerstag die Abbauarbeiten an der Behelfsbrücke an der Anschlussstelle Reischenhart. Stück für Stück wird die als „Pannen-Brücke“ bekannt gewordene Konstruktion von ihren Widerlagern gehoben. Man könnte auch sagen: nagelneu und unbenutzt in den Ruhestand versetzt.
Denn über sie ist nie ein Auto gefahren. Zwar sah die Behelfsbrücke deutlich frischer aus als die in die Jahre gekommene Originalbrücke. Doch traute ihr der Prüfstatiker entscheidend weniger zu: Er bemängelte die dynamische Statik. An sich hätte das filigran wirkende Stahlgeflecht also hohe Gewichte tragen können – „einen Panzer hätte man darauf abstellen können“, sagte Josef Seebacher, Sprecher der Autobahn-GmbH des Bundes, immer wieder. Doch hätte dieser Panzer nicht allzu oft drüberfahren sollen. Wie ein Draht, der zu oft gebogen wird und schließlich bricht, hätten auch Teile der Brücke unter dem Auf und Ab des Autoverkehrs ermüden können. Theoretisch zumindest. Daher wurde die Brücke nicht freigegeben.
Aber nun geht es ja voran an der Anschlussstelle. Die Brücke, die als Behelf für die „reguläre“ Brücke über die A93 gedacht war, sollte nach Angaben der Autobahndirektion bereits bis zum Wochenende verschwunden sein. Damit dürfte die ins Stocken geratene Sanierung der Staatsstraßenbrücke demnächst fortgesetzt werden.
Das freut auch die Autobahngesellschaft des Bundes. Deren Südbayern-Niederlassung hatte den Bau einer neuen Brücke für die Staatsstraße 2363 über die A93 in Auftrag gegeben. Der Verkehr zwischen Brannenburg und Raubling sollte für die Bauzeit über die Behelfsbrücke aus Stahl geführt werden.
Die Brücke stand dann zwar auch seit Frühling 2022 pünktlich, aber ohne Aussicht, in dieser Form jemals befahren zu werden. Nachbessern oder neu bauen, das war die Frage, die den Auftragnehmer, den österreichischen Strabag-Baukonzern, beschäftigte. Der hatte zwar selbst nicht direkt mit der mangelhaften Statik zu schaffen, dafür war nach den Worten Seebachers ein auf Behelfsbrücken spezialisiertes Subunternehmen zuständig. Doch befand sich der Konzern über Monate hinweg in einer Zwickmühle. Es ging nicht nur um die Frage, ob ein Neubau vielleicht günstiger käme, sondern auch, ob eine Zusammenarbeit mit den Behelfsbrückenbauern noch denkbar wäre und ob die Entscheidung für eine Trennung bei gerichtlichen Auseinandersetzungen Bestand haben könnte.
Kürzlich fiel die Entscheidung. Die Strabag trennte sich vom Subunternehmen. Nun braucht es ein neues Provisorium. Erst danach kann die alte Brücke abgerissen werden. Dazu allerdings muss dann die Autobahn doch gesperrt werden, kündigt Seebacher an. Und zwar am besten nachts, an einem Wochenende, und das bevorzugt zwischen den Ferien. Also dann, wenn Skifahrer nicht mehr und Pfingsturlauber noch nicht unterwegs sind.
Dann könnten pünktlich die Arbeiten an der neuen Brücke beginnen. Und hoffentlich ebenso pünktlich im Spätherbst abgeschlossen werden. Dann wäre man im Zeitplan, sozusagen. Wenn auch mit einem Jahr Verzögerung.Michael Weiser