Rosenheim/Murnau – Vor zehn Tagen fand die Pressekonferenz statt, bei der die traurige Nachricht der Querschnittslähmung des Rosenheimer Eishockeyspielers Mike Glemser öffentlich gemacht wurde. Der 25-Jährige liegt weiter in der Spezialklinik in Murnau, mittlerweile wurden knapp 505000 Euro gespendet, doch die wichtigste Frage lautet: Wie geht es Mike Glemser?
Vater wirbt für Zusatzversicherung
„Es sind leichte Fortschritte erkennbar, was das Atmen und die Schleimabsonderung betrifft. Mike kann jetzt schon dreimal bis zu vier Stunden am Tag von der Beatmungsmaschine weg. Anfangs war es gerade einmal eine halbe Stunde. Es sind kleine Schritte, aber immerhin”, sagte Vater Ken Glemser bei einem der vielen Termine mit Fernsehanstalten und Zeitungen am Rande des Starbulls-Trainings. Ken Glemser gibt gerne Auskunft – über alle Themen. „Es gehört dazu, dass man die Leute informiert. Auch was in Zukunft mit den großzügigen Spenden gemacht wird.” Mike Glemsers Freundin Lara Lindmayer und Vater Ken bedanken sich bei den über 1300 Spendern mit einer Videobotschaft.
Seit dem Unfall liegt Mike Glemser im Krankenhaus Murnau. Er kann Beine, Handgelenke und Finger nicht mehr bewegen. Einzig den Bizeps kann er anspannen. „Doch der Gegenspieler, also der Trizeps, fehlt“, erklärt Ken Glemser. „Man muss seinen Arm also wieder hinlegen, weil er ihn nicht selbst senken kann. Die Physiotherapeuten arbeiten daran, dass sich der Muskel nicht verkürzt. Sonst hätte er später immer angewinkelte Arme.“
Wie ist ein Oberliga-Eishockeyspieler eigentlich abgesichert? Was passiert mit den Spendengeldern? Fragen, die Starbulls-Geschäftsführer Daniel Bucheli und Ken Glemser beantworten. „Die Eishockeyspieler in der Oberliga, zumindest bei uns, sind alle Profis. Das heißt, die Haupttätigkeit ist Eishockeyspielen, und die Gehälter bewegen sich in einem normalen Rahmen. Zusätzlich kommen noch Wohnung und Fahrzeug mit dazu. Für die Absicherung sind die Spieler natürlich auch bei der Berufsgenossenschaft versichert. Verletzungen oder Krankheiten, die während der Arbeitszeit entstehen, sind somit abgesichert,” erklärt Daniel Bucheli.
Ken Glemser ergänzt: „Ich kann Stand heute nur jedem Eishockeyspieler empfehlen, sich zusätzlich noch privat abzusichern. Das Geld von der Berufsgenossenschaft reicht im Ernstfall, so wie jetzt bei Mike, nicht aus. Ohne die Spendenaktion wäre das Leben hinten raus schon sehr, sehr dürftig.” Aber können sich Oberliga-Spieler eine solche Zusatzversicherung überhaupt leisten? „Schwierig”, sagt Ken Glemser. „So eine Zusatzversicherung kostet locker 2000 Euro im Jahr, und da hat man noch keine Riesenversicherung abgeschlossen.“
Aber wie soll ein Spieler das bezahlen, wenn er sieben oder acht Monate Gehalt bekommt und die restliche Zeit arbeitslos ist, fragt Ken Glemser. „Die Berufsgenossenschaft zahlt das, was behindertengerecht ist. Das heißt, wenn jetzt ein Umbau anstehen würde, dann übernimmt die BG die Umbaukosten. In welcher Höhe, das ist noch nicht zu 100 Prozent klar.“ Das sei eben von Objekt zu Objekt verschieden, aber wenn jemand keine Wohnung oder ein Haus hat, dann wird es problematisch. Man muss eine Wohnung mieten und dann auf die Zustimmung des Vermieters hoffen. Erst dann würde die BG diese Wohnung behindertengerecht umbauen.
Für die normale Reha, die beginnen kann, wenn Mike Glemser von der Beatmungsmaschine weg ist, kommt die Berufsgenossenschaft auf. Auch für eine Bewegungstherapie ein oder zweimal in der Woche. Doch das reicht nicht. „Alles, was zusätzlich kommt, fällt auf den Patienten zurück”, weiß Ken Glemser. Die Kosten, die auf Mike Glemser und seine Familie zukommen, sind hoch und noch nicht überschaubar. Mike Glemser bekommt laut Daniel Bucheli auch eine BG-Rente: „Das sind zwei Drittel von seinem jetzigen Gehalt. Und das ist natürlich eine deutliche Steigerung zu dem, was der gesetzliche Anteil wäre. Aber in Verbindung mit den erhöhten Miet- und Lebenshaltungskosten entsteht natürlich eine sehr ernst zu nehmende Unterdeckung”, blickt Daniel Bucheli in die Zukunft. Genau dafür ist die Spendenaktion gedacht.
Kosten sind
nicht überschaubar
Aber wie geht es eigentlich der Familie? Ken Glemser gibt die Antwort: „Auch wir gehen kleine Schritte, um das Ganze zu verarbeiten. Das Wichtigste ist, dass wir Mike Kraft geben. Die Herausforderung ist, die Hoffnung nicht zu verlieren.“ Er erzählt von Momenten, wo sein Sohn im Bett liegt und weint. „Er sagt, er werde verrückt, wenn er noch länger liegt, aber es bleibt ihm nichts anderes übrig.“ Dann gibt es auch wieder Tage, an denen er sogar einmal lächelt – wenn Teamkollegen wie Steffen Tölzer (37) oder Freunde wie Giuseppe Tedesco zu Besuch kommen.