Karstadt: Hubert Aiwanger wirft Blick in die Zukunft

von Redaktion

Video-Konferenz mit Oberbürgermeister Andreas März – Entscheidung nächstes Wochenende?

Rosenheim – Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat sich nach einer Video-Konferenz unter anderem mit Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (CSU) wegen der Zukunft von acht Galeria-Kaufhäusern in Bayern optimistisch gezeigt, dass weitere bayerische Handels-Standorte unter dem Dach des Warenhaus-Konzerns erhalten bleiben können.

Was Rosenheim angeht, äußerte er sich sogar überraschend zuversichtlich: Er nannte den Standort in einem kurzen Statement dem BR gegenüber als einzigen namentlich. Man habe sich ausgetauscht und festgestellt, dass „einige Standorte wirklich gerettet“ werden können. „Neu hinzu kommt eventuell Rosenheim.“ Dort sehe man die Perspektive, dass das Kaufhaus mit dem Konzept von „Galeria 2.0“ weiter unter der Flagge von Galeria Karstadt Kaufhof segle. Es liefen aktuell „intensive Gespräche“ zwischen Galeria Karstadt Kaufhof, Vermietern, Kommunen, Gewerkschaften und anderen Interessenten aus dem Handelsbereich, sagte Aiwanger. Zweck des Ganzen sei die Weiterführung der betroffenen Filialen.

Auf der Streichliste war auch die Filiale in Rosenheim aufgetaucht; am Montag, 13. März, war überraschend bekannt geworden, dass Rosenheims Karstadt zum 31. Januar 2024 schließen solle. Hoffnung machte sich wenige Tage später breit, als die Eigentümer der Standorte in Erlangen und Bayreuth eine Einigung mit Galeria Karstadt Kaufhof erreichten.

Aus Bayreuth wurde mittlerweile bekannt, dass das Entgegenkommen nicht so sehr in einer Senkung der Miete, sondern vielmehr in einer Beteiligung des Vermieters an Sanierungskosten besteht. Auch soll der Eigentümer der Immobilie einverstanden sein, das Lokal in eigener Regie zu verpachten. Die Möglichkeit gäbe es in Rosenheim nur noch bedingt; dort, wo sich einmal das Karstadt-Restaurant befand, hat Karstadt Teile von Karstadt Sports untergebracht, das in Rosenheim im Oktober 2020 geschlossen wurde.

Auf ähnliche Verhandlungen wie in Bayreuth oder sinnvolle Nachnutzungen setzt das bayerische Wirtschaftsministerium. „Es gibt an mehreren Standorten Chancen, Galeria-Filialen mit reduzierten Mieten weiterzuführen oder neue Handelskonzepte am Standort zu positionieren“, sagte Aiwanger nach der Konferenz. Es sei klar geworden, dass der Handel in bayerischen Innenstädten mit neuen Ideen eine Perspektive habe.

Am virtuellen runden Tisch wurden die Chancen für alle acht von einer Schließung bedrohten Galeria-Filialen erörtert. Es ging um die Häuser in Coburg, München-Hauptbahnhof, Nürnberg-Königstraße, Nürnberg-Langwasser, Regensburg-Neupfarrplatz, Schweinfurt, Kempten und Rosenheim. Teilgenommen haben Galeria-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der offenbar scheidende Galeria-CEO Miguel Müllenbach, der Bereichsleiter der Gewerkschaft Verdi Handel Bayern, Hubert Thiermeyer, weitere Gewerkschaftsvertreter sowie Bürgermeister oder Wirtschaftsverantwortliche aller betroffenen Kommunen. Darunter Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März und seine Amtskollegen. Aiwanger zog bereits vor den konkreten Ergebnissen zufrieden Bilanz. „Mein Ministerium unterstützt die fortlaufenden Gespräche zwischen allen Parteien“, sagte Aiwanger. „Wir machen Druck, damit gute Lösungen gefunden werden für die Menschen, die sich attraktive Innenstädte wünschen, und die Mitarbeiter, die großes Interesse an sicheren Arbeitsplätzen haben.“ Es gebe „gute Konzepte für den Handel 2.0“. Darunter verstehen die Fachleute allerdings etwas anderes als das Konzept „Galeria 2.0“: nicht allein Online-Verkaufsmöglichkeiten stationärer Händler, sondern auch digitale Werbemethoden. Welches dieser Konzepte Rosenheim vor der Einzelhandelskrise bewahren soll, ob der Verbleib in einem erneuerten Karstadt-Konzern oder die Nachnutzung mit einer modernen Planung mit gemischter Nutzung, ist noch nicht bekannt. Brancheninsider halten eine Entscheidung noch vor dem nächsten Wochenende für wahrscheinlich. Michael Weiser

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