Wenn wir nachts im hell erleuchteten Raum eines Hauses stehen und ein Fenster öffnen, wird die Dunkelheit von draußen trotzdem nicht hereinkommen. Der Raum bleibt genauso hell, wie er ist. Wenn wir aber bei Tageslicht in einem völlig verdunkelten Zimmer ein Fenster öffnen, werden die Lichtstrahlen der Sonne unweigerlich hereinfluten. In vielen Märchen und in der Mythologie meidet die Finsternis das Licht, um nicht selber Licht zu werden. Wenn Licht und Dunkelheit einander begegnen, siegt immer das Licht.
Es macht Hoffnung, dass sich dieses einfache physikalische Gesetz auch auf unsere Welt und unser Leben übertragen lässt. Selbst da, wo eine Situation noch so verfahren, aussichtslos und unlösbar ist, kann Gottes Licht und die unhaltbare Kraft der Liebe etwas Dunkles erhellen und einen neuen Weg aufscheinen lassen.
Wenn die Bibel von der Heilung eines Blinden erzählt, dann geht es nicht darum, dass ein einziger Blinder auf dieser Welt vor langer Zeit einmal sein Augenlicht wiedererlangt hat. Es stellt sich hier vielmehr die Frage, ob wir selber wie dieser Blindgeborene immer noch in unserer eigenen Finsternis sitzen oder ob wir das Fenster unseres Herzens schon für das Licht und die Liebe geöffnet haben. Die Pharisäer, die Gesetzeslehrer in der Erzählung, stellen zwar klar, dass nach den geltenden religiösen Regeln eine Heilung am Sabbat nicht wirklich erlaubt ist. Es liegt an uns selbst, ob wir uns von Gott berühren lassen und neu sehen lernen möchten: nicht nur das oberflächliche und scheinbare Leben, sondern das wirkliche.