Rosenheim – „Es war schon eine große Herausforderung”, sagt Giulia Giardina, als sie vor einem Jahr ihre neue Stelle als Ehrenamtskoordinatorin des Landkreises Rosenheim angetreten hat. Kaum in der neuen Arbeitsstelle angekommen, musste sie sich mit anderen um die Hilfe für die Flüchtlinge aus der Ukraine kümmern. Dabei konnte sie aber auf die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zurückgreifen. Mehr als 600 Angebote von Bürgern kamen in der ersten Zeit, die sich entweder als Helfer oder Übersetzer engagieren wollten.
Kurze
Einarbeitungszeit
Genau hier kommt die Ehrenamtskoordinatorin ins Spiel. Sie sortierte die Hilfen, in Listen eingetragen, in Form gebracht und vermittelt. Teils konnte sie auf bereits bestehende Helferkreise zurückgreifen, teils mussten durch die Gemeinden neue gegründet werden. Eine große Einarbeitungszeit hatte sie nicht. Seit Sommer kann sich die gebürtige Römerin allerdings ihrer eigentlichen Aufgabe widmen, der Unterstützung der heimischen Vereine und Ehrenamtlichen. „Es ist viel Arbeit, aber ich habe großen Spaß dabei”, sagt Giardina. „Es gibt immer neue Ideen.”
Ideen hat sie viele, an Arbeit mangelt es nicht. So hat sie unter anderem an eine Fortbildungsreihe, eine Art „Vereinsführerschein” gedacht. Ausgearbeitet in verschiedenen Modulen können sich die interessierten Vereine an das Thema Führung heranarbeiten. Dabei geht es auch um das Auftreten und das Vereinsrecht, eben Dinge, auf die man achten sollte. Alles ohne Prüfung und bürokratischen Aufwand. Laut Giardina sollen auch regelmäßig Fachtage für Vereine angeboten werden. Der Vereinstag des Landkreises mit zahlreichen Vorträgen und Workshops rund um die Themen Führungskräfte und wie man richtige Fördermittel beantragt, fand erst kürzlich Mitte März statt. „Ich habe auch die Idee für einen Fachtag, wie man Feste richtig feiert”, sagt sie voller Tatendrang. „Da könnten auch viele Kollegen aus dem Landratsamt mithelfen.” Für Feste gäbe es viele tolle Dinge, die man sich ausleihen könnte. Wie beispielsweise Toiletten, auch für Menschen mit Behinderung, die man sich für Feste ausleihen kann. „Für solche Dinge möchte ich auch künftig Werbung machen.” Der Landkreis habe ein sehr aktives Vereinsleben. Neben den großen, traditionellen Vereinen wie Sportvereine, Schützen- oder Trachtenvereine, gibt es auch zahlreiche kleine, die sich teils um sehr spezielle Dinge kümmern. So gibt es beispielsweise einen Verein, der sich um den Erhalt von historischen Rosen kümmert. Ein anderer hat das Ziel, alte Opernstücke wieder ins Leben zu rufen. Aber egal, was für ein Verein es ist und was für ein Ziel verfolgt wird. Sollten Probleme auftreten, ist Giulia Giardina die richtige Ansprechpartnerin.
Corona sei dabei auch nicht problemlos an den Vereinen vorbeigezogen. Viele haben laut der Italienerin ihre Mitglieder oder an Elan verloren. Hier muss demnach oft ein Neustart vollzogen werden, der dauern kann. „Aber so, wie ich die Vorstände kennengelernt habe, schaffen die das mit unserer Unterstützung”, da ist sich Giardina sicher.
Dabei sei die Vereinsführung oft das Problem, da es oft an Nachwuchs mangelt. Bei vielen jungen Menschen hapert es oft schlicht an der Zeit. „Meine Idee wäre es, frische Rentner, die eine Führungsposition hatten, dafür zu begeistern.” Auch Menschen mit Behinderung oder Menschen aus anderen Ländern könnten für eine Position in der Vereinsführung in Betracht gezogen werden. Zusammen mit der Bildungskoordination und der Fachstelle Inklusion des Landratsamtes ist diesbezüglich für den kommenden November ein Fachtag geplant.
Auch das Thema der Finanzierung und Kassenführung käme immer wieder bei Beratungsgesprächen auf. Hier werden laut Giardina Schulungen zu den Themen angeboten, auch über die Möglichkeit einer Förderung durch das europäische Leader-Programm kann gesprochen werden, ebenso wie über Unterstützung bei einem modernen Internetauftritt des Vereins. Nicht alle Angebote finden in Präsenz statt, das Online-Angebot wird immer weiter ausgebaut.
Engagement in
der Heimat Rom
Schon in ihrer Heimat in Rom hat sich Giardina ehrenamtlich engagiert. Seit 2006 ist sie nun in Rosenheim. Anfangs unterrichtete sie Italienisch, kam über verschiedene Ehrenämter an ihre erste Arbeit im sozialen Bereich in Deutschland und letztendlich zu ihrer Stelle im Rosenheimer Landratsamt als Ehrenamtskoordinatorin. Mittlerweile ist Giardina voll in ihrem Job angekommen. Seit dem Sommer letzten Jahres kann sie sich voll ihrer eigentlichen Aufgabe mit den Vereinen widmen. Immer mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich, das weiß Giardina aus ihrer Erfahrung. Aber oft nur auf einen bestimmten Anlass bezogen und nicht langfristig in einem Verein. Jeder, der ehrenamtlich tätig werden will, kann sich an die Ehrenamtskoordinatorin wenden, um sich von ihr beraten zu lassen. Und sich von ihrer Leidenschaft für das Ehrenamt anstecken lassen.