Auf Erden keine Absolution verdient

von Redaktion

Alles, wirklich alles, was man zum ehemaligen Seelsorger Rudolf Greihansel liest, ist erschütternd. Der „Fall 26“ zeigt nicht nur Wegschauen, er zeigt systematische Vertuschung seitens des erzbischöflichen Ordinariats, ob in Person von Kardinälen oder Generalvikaren. Das Gutachten spricht sogar von einer Codierung von Sprache, was sexuellen Missbrauch angeht, etwa „schwierige Situation“ für sexuelle Übergriffe.

Auch wenn sich vieles sicher zum Besseren gewandelt hat, steht man als Katholik da und muss sich fragen, warum man selbst noch Mitglied ist. Warum man mit Zeit, Engagement und Geld ein solches System immer noch mitträgt. Der Verweis, dass es Missbrauch auch anderswo gibt – zum Beispiel in Sportvereinen, Familien, Schulen – macht das Versagen der Kirche nicht leichter erträglich.

Als Christ muss man sich stattdessen bewusst machen, dass die meisten Menschen in der Kirche anders sind. Die Menschen, die Kinder betreuen, sich in Hospizen engagieren, die Alte pflegen – oft genug ehrenamtlich. Und auch die Hauptamtlichen, die Pfarrer und Gemeindereferenten, die Menschen in den hellsten und dunkelsten Stunden ihres Lebens begleiten. Die das verkörpern, was Kirche sein soll: ein treuer, wegweisender und wohlmeinender Begleiter im Leben.

Der Institution Kirche kann aber keine Absolution erteilt werden. Mit zynischen Diskussionen, wie viel Entschädigung ein Opfer verdient, gießt man selbst weiter Öl ins Feuer. 5000 Euro sind es im Schnitt. 5000 Euro für eine zerstörte Seele. Da braucht es gar keine neuen Skandale, da brennt der Stall auch so.

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