Rosenheim – Das Amtsgericht Essen hatte gestern rund 40 Gläubiger eingeladen. Sie hatten vor der Abstimmung die Möglichkeit, Fragen an das Management von Galeria Kaufhof Karstadt zu richten – und sich auch beim Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und Sachwalter Dr. Frank Kebekus zu erkundigen. Die eine Antwort für die rund 40 erschienenen Gläubiger: Mit einer Annahme des Insolvenzplans wären über eine Milliarde Euro abzuschreiben. Die andere Antwort: Ohne eine Annahme wäre alles verloren. So nahmen die Gläubiger den Insolvenzplan schließlich an.
Eine Rettung des Gesamtkonzerns, die Auswirkungen auch für Rosenheim hat. Zwar hatte Galeria am 13. März eine Liste von 52 Streichkandidaten veröffentlicht. Darunter auch die Filiale in Rosenheim. Die Nachricht löste in der Stadt einen Schock aus und sorgte auch für politische Meinungsverschiedenheiten. Aber: Bei einigen Standorten hat Galeria die schlechte Nachricht von der Schließung schon wieder zurückgenommen. Die Entscheidung in Essen bedeutet nun lediglich die weitere Umsetzung des Insolvenzplans. Nicht aber die Entscheidung über die Streichliste. Rosenheim darf also weiterhin hoffen.
Man kann auch sagen: Rosenheim muss weiter bangen. Doch immerhin standen jüngst die Zeichen auf Optimismus. Für den Standort Rosenheim hängt nunmehr offenbar alles am Ausgang der Verhandlungen zwischen Galeria Kaufhof Karstadt und den Eigentümern der Karstadt-Immobilie im Gillitzerblock. Mit zweien scheint sich der Konzern bereits geeinigt zu haben. Das Tauziehen mit dem dritten, einer Projektenwicklungsgesellschaft namens Karo, hielt auch am Montag noch an.
Wie aus informierten Kreisen zu erfahren war, sollen sich die Verhandlungsparteien jedoch relativ weit angenähert haben. Was in dem Fall wohl heißt: Der Vermieter ist dem Mieter entgegengekommen. Denn dass Galeria im Zuge des Sanierungskahlschlags einem Vermieter deutlich mehr zahlt als dem Rest, ist nicht zu erwarten.
Galeria Kaufhof Karstadt hatte Ende vergangenen Jahres zum zweiten Mal nach 2020 Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Als Gründe für die Schieflage nannte der Konzern die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Beim ersten Schutzschirmverfahren noch während des ersten Corona-Lockdowns hatte der Konzern etwa 40 Filialen geschlossen und 4000 Stellen abgebaut. Rund zwei Milliarden Euro an Schulden wurden gestrichen – und doch währte die Entlastung nur kurz.
Was gibt Hoffnung, dass Karstadts neues Konzept länger vorhält als das letzte Konzept? Galeria setzt auf weniger Standorte, diese sollen dafür größere Chancen haben. Außerdem sollen Untermieter mit ergänzenden Angeboten Kunden anziehen. Vor allem aber habe man die Regionalisierung angestoßen, sagte Sanierer Arndt Geiwitz. Ziel sei eine größere Lokalisierung mit mehr Verantwortung in den Regionen. Das leuchtet ein: Wie soll man in Essen wissen, was vor dem Herbstfest in Rosenheim an Trachtenmode gefragt ist?
Was weiter Hoffnung gibt: Der bisherige Galeria-Manager Miguel Müllenbach kommt eher aus dem Finanzwesen. Nun verlässt er Galeria. Sein Nachfolger Olivier van den Bossche gilt als richtiger Vertriebler und hinterließ auch in Rosenheim schon einen guten Eindruck. „Wenn es weitergeht, freut es mich für die Mitarbeiter am meisten“, sagt Andreas Bensegger von der IHK zur anhaltenden Hängepartie in Rosenheim. Da man sich auf einen guten Ausgang nicht verlassen könne, müsse Rosenheim schauen, dass es attraktiv bleibt. „Die Stadt darf nicht von einem Player abhängig sein“, sagte Bensegger. Die Innenstadt müsse auch ohne Karstadt funktionieren können. Und das reiche von Attraktivität und Verweilqualität bis hin zu einem cleveren Parkplatzmanagement.