Vulkanausbruch von La Palma eröffnet Ringvorlesung

von Redaktion

Premiere für Volkshochschule und Lokschuppen – Wissenschaftliche Untersuchungsmethoden erläutert

Rosenheim – Eine Ringvorlesung veranstaltete das Ausstellungszentrum Lokschuppen mit der Rosenheimer Volkshochschule (VHS). Zur Premiere gab Geologe Dr. Andreas Klügel vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen, Einblicke in den Ausbruch des Vulkans „Cumbre Vieja“ 2021 auf La Palma.

Der Vortrag erfolgte inmitten der Ausstellung „Vulkane“. Gut 70 Besuchern bot Klügel nicht nur Videos und Fotos von der Eruption auf der Insel. Er erläuterte auch wissenschaftliche Untersuchungsmethoden und hatte ein Stück Vulkan und Vulkanasche zum Fühlen dabei.

Acht Ausbrüche gab es auf La Palma seit dem Jahr 1480. Sie dauerten zwischen drei und zwölf Wochen. Der Ausbruch 2021 war der größte, den die Insel je erlebt hat. „Der Lavastrom bedeckte 10,5 Quadratkilometer Fläche, zerstörte 1500 Häuser und machte 65 Kilometer Straße unbefahrbar“, berichtete der Geologe. „Der Ausbruch dauerte ganze drei Monate lang“ und kam nicht überraschend. Experten überwachten den Vulkan vor, während und nach dem Ausbruch mit modernen Instrumenten.

Aufschlüsse über den Zustand des Vulkans und die Bewegung von Magma in der Tiefe geben unter anderem Untersuchungen des Gesteins und die Zusammensetzung von Kristallen. Geologen ermittelten bereits 2017, dass es in 25 Kilometern Tiefe zu „seismischen Schwärmen“ kam. „Das sind ganz kleine Erdbeben, die man an der Oberfläche nicht spürt“, so Klügel. 2021 vermehrten sich diese Ereignisse, die leichten Beben wanderten höher.

Am 13. September 2021 gab es frühmorgens so viele leichte Beben, dass die Geologen Alarm schlugen. Drei Tage später wölbte sich die Erde, die Evakuierung von Orten begann. Am 19. September um 14.10 Uhr kam es zum großen Ausbruch, der sich durch leichtes Zittern ankündigte: für die Menschen ein traumatisches Erlebnis. „Die Fenster und Türen schepperten an den Häusern. Man sah die Rauchwolke in wenigen Kilometern Entfernung. Die Menschen wussten erst nicht, wohin sie sollten und was sie tun sollten.“

Klügel reiste auf die Insel und war während des Ausbruchs eine Woche dort. Der einst beliebte Touristenort Puerto Naos ist noch immer unbewohnt. Das Austreten von Gasen ist so gefährlich, dass dort noch niemand leben darf. „Deshalb mein Rat an alle: Wenn Sie etwas für die Menschen auf La Palma tun wollen, fahren Sie hin. Buchen Sie vor Ort und helfen Sie so den Menschen, ihre Existenz zu sichern“, appellierte Klügel.

Wer sich intensiver mit dem Vulkanausbruch auf La Palma befassen will, wird im Lockschuppen fündig. „Wir waren vor Ort, haben mit den Menschen ein Jahr nach dem Ausbruch gesprochen“, so die Leiterin des Ausstellungszentrums Dr. Jennifer Morscheiser. In der Ausstellung gibt’s „Logbuch La Palma“-Hörstationen mit persönlichen Erlebnissen und einem Tagebuch des Ausbruchs.

Sylvia Seiler, stellvertretende Leiterin der VHS, lud die Gäste zur nächsten Vorlesung im großen Vortragssaal des Hans Schuster Hauses ein. Am Mittwoch, 10. Mai, erklärt Geologe Dr. Martin Meschede von der Universität Greifswald, warum es Vulkane gibt und wie sie funktionieren. Infos zur Ringvorlesung gibt es auf www.vhs-rosenheim.de und auf www.lokschuppen.de unter „Veranstaltungen“.

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