Ermittlungen wegen Mordversuch

von Redaktion

Großbrand in Bad Endorf – Kripo geht von Brandstiftung aus

Bad Endorf – „Wir stehen immer noch unter Schock“, sagt Bernhard Morman. Sein Geschäft am Bad Endorfer Bahnhofsplatz fiel am späten Montagabend einem Großbrand zum Opfer. Und trotzdem hilft Morman einer siebenköpfigen Familie.

Bernhard Morman und seine Frau haben ein Geschäft, in dem sie sich um alles rund um PC, Laptop, Tablet und Smartphone kümmern, auch Internetseiten gestalten sie. Auf der eigenen Homepage steht seit Dienstag „Wegen Hausbrand geschlossen“. Denn am späten Montagabend ging das Gebäude in der Nähe des Bad Endorfer Bahnhofs in Rauch auf.

Doch obwohl das eigene Geschäft unter Verschluss ist, die Brandfahnder und die Feuerwehr dort am Dienstagnachmittag auf Spurensuche waren, der Sachschaden sich im fünfstelligen Bereich bewegt und der Geschäftsausfall noch gar nicht zu beziffern ist, kümmert sich das Ehepaar Morman um andere.

Siebenköpfige
Familie verliert alles

Um eine siebenköpfige Familie aus dem Mittleren Osten. Die Eltern und ihre fünf Kinder zwischen Teenager und Baby wohnten über dem Café und Mormans Laden. In einer viel zu kleinen Wohnung. Die nicht zu nutzen ist. Das, was das Feuer übrig gelassen hat, hat dann das Löschwasser unbrauchbar gemacht. „Die Familie hat nichts mehr“, sagt Morman. Kleidung, Hausrat, Schulsachen der Kinder – alles weg. Vor allem aber das Dach über dem Kopf.

Die Gemeinde kann da kurzfristig nicht helfen. Die Obdachlosenunterkunft sei zum einen voll und zum anderen der Familie nicht angemessen, sagt Martin Mühlnickel, der geschäftsleitende Beamte. „Aber wir sehen zu, dass wir der Familie finanziell unter die Arme greifen, so gut wir können“, versichert Mühlnickel, in der Nacht selbst als Feuerwehrmann im Einsatz, „aber ganz weit im Hintergrund“.

Mormans wandten sich ans Landratsamt, hatten da auch keinen Erfolg. Und riefen bei Peter Helfmeyer an. Der Kurdirektor hat einen guten Draht zu den Vermietern von Ferienwohnungen, tat alles in seiner Macht stehende. Am späten Dienstagnachmittag sah es tatsächlich so aus, als sei möglicherweise ein Quartier für die Familie in Sicht.

Helfmeyer verwies Mormans und ihre Schützlinge, mit denen sie sich laut Bernhard Morman schon immer gut verstanden hatten, auch an den BRK-Kleiderladen und die Bad Endorfer Tafel. „Wir haben auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis Spenden bekommen“, so Morman dankbar. So sind die Grundbedürfnisse zunächst gedeckt. Und Schulsachen werden erst nach den Osterferien wieder gebraucht. Von der Straßenseite ist dem Gebäude laut Helfmeyer nicht viel anzusehen, „ich bin erst durch den Hilferuf der Familie Morman auf den Brand aufmerksam geworden“. Es war folgerichtig auch ein Lokführer, der den Alarm auslöste.

Und es war allerhöchste Eisenbahn, denn die alte Bausubstanz des Gebäudes – laut Mühlnickel ein ehemaliges BayWa-Gebäude – und auch die später eingebaute Dämmung war nach Aussage von Kreisbrandrat Richard Schrank nicht im Stande, einen Übergriff des Feuers auf das Obergeschoss zu verhindern.

16 Bewohner seien in dem Haus gemeldet, so Schrank, zehn seien zu Hause gewesen – und alle rechtzeitig, noch vor dem Eintreffen der Feuerwehren, unverletzt aus dem Gebäude gekommen. Die Café-Betreiberin und der Hauseigentümer waren zum Zeitpunkt des Brandes nicht in Bad Endorf. 90 Einsatzkräfte der Feuerwehren Bad Endorf, Antwort, Rimsting, Hemhof, Schwabering und Halfing waren letztendlich an den Löscharbeiten beteiligt, sieben Rettungskräfte kümmerten sich um das Wohl der Betroffenen. Was dem Kreisbrandrat auffiel: „Es war schon ungewöhnlich, dass das Gebäude flächig in Brand stand und Fensterscheiben eingeschlagen waren.“ Gut drei Stunden dauerte es laut Schrank, bis sicher war, dass auch wirklich alle Glutnester gelöscht sind.

Nach Abschluss der Löscharbeiten der Feuerwehr übernahm der Kriminaldauerdienst der Kripo Rosenheim die ersten polizeilichen Untersuchungen vor Ort. Die weiteren Ermittlungen werden nun unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, von Brandfahndern des zuständigen Fachkommissariats 1 geführt. Laut Mitteilung der Polizei entstand nach einer ersten Schätzung ein Sachschaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro. Das Gebäude ist zudem bis auf Weiteres nicht bewohnbar. Auch Geschäft und Café sind nicht zu nutzen.

Zeugenaufruf
der Polizei

Die Kriminalpolizei Rosenheim hat die Untersuchungen zur Brandursache übernommen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand kann von einer schweren Brandstiftung und von Mordversuch ausgegangen werden, weshalb die Brandfahnder auf der Suche nach Zeugen sind. Diese sollen sich unter 08031/200-0 bei der Kripo Rosenheim oder bei jeder anderen Polizeidienststelle melden.

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