Neues Leitbild stößt auf Ablehnung

von Redaktion

Diskussion mit Kolping-Landespräses Christoph Wittmann in Bad Aibling

Bad Aibling/Rosenheim – Auf große Bedenken bei den Kolpingsfamilien in der Region stößt das neue Leitbild, das der Bundesverband kürzlich bei seiner Bundesversammlung in Köln beschlossen hat. Es gibt zwei Hauptkritikpunkte. Die Tatsache, dass der Verband eine Mitgliedschaft ungetaufter Nichtchristen zulassen möchte und auch die Gendersprache unter anderem in das Kolpingblatt als offizielles Verbandsorgan Einzug gehalten hat, stieß bei einer Diskussion mit Landespräses Christoph Wittmann im Bad Aiblinger Paulusheim auf das größte Unverständnis. Der Landespräses betonte, dass bei den Beschlüssen der Bundesversammlung ein Nord-Süd-Gefälle sichtbar geworden sei. „Hier in der Region sind die Kolpingsfamilien noch traditioneller. Das sieht im Norden Deutschlands anders aus“, sagte Wittmann. Ihm pflichtete die stellvertretende Diözesanvorsitzende Margot Sibbers bei, die auch der Aiblinger Kolpingsfamilie angehört. „Der Norden tickt völlig anders als der Süden“, betonte sie.

Kolping-Bezirksvorsitzender Eberhard Häfele aus Rosenheim hätte sich wie viele der Anwesenden eine Mitgliederbefragung zu diesen Themenbereichen gewünscht und wies darauf hin, dass der Bezirk die Position der Bad Aiblinger Kolpingsfamilie teile. Die hatte sich in einem geharnischten Protestbrief beim Bundesverband über die Anwendung der Gendersprache im Verbandsorgan beschwert, fand für ihre Position aber keine Mehrheit.

Auch wegen dieses Briefes kam der Landespräses jetzt nach Bad Aibling. „Gendern macht die Sprache kaputt“, musste er sich unter anderem von Bürgermeister Stephan Schlier anhören. Dieter Bräunlich, Seniorenreferent der Stadt und ebenso wie Schlier Kolpingmitglied, wies darauf hin, dass in der Bundesversammlung nur 0,14 Prozent der deutschlandweit 215000 Kolpingmitglieder ihr Votum abgegeben hätten. Ein Kriterium, das aus seiner Sicht für einen Mitgliederentscheid gesprochen hätte.

Der Landespräses nahm die Kritik ernst und will darüber in den zuständigen Gremien berichten. Er sah in den Veränderungen aber auch eine Chance, Kolping für neue Mitglieder zu öffnen und Vielfalt zuzulassen.

Die Begeisterung hierfür hielt sich bei den Anwesenden jedoch in engen Grenzen. Einig waren sie sich mit Wittmann, dass das Leitbild im Gegensatz zur Satzung keine bindende Wirkung für die Vereine vor Ort hat. „Macht eure gute Arbeit weiter, so wie ihr das bisher auch getan habt“, empfahl Wittmann den Kolpingsfamilien.

Dass sie genau dies tun und das Leitbild in der Praxis ignorieren werden, dieses eindeutige Stimmungsbild vermittelten sie an diesem Abend, ohne dass es einer Abstimmung bedurfte

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