Rosenheim – Seit dem 8. April gibt es keine bundesrechtlichen Pflichten in Bezug auf Corona mehr. Damit ist auch die Maskenpflicht, die noch in zahlreichen Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen galt, weggefallen. Bereits im März waren die bayerischen Corona-Verordnungen und Allgemeinverfügungen, die im Zuge der Pandemie eingeführt worden waren, ausgesetzt worden.
„In Bayern sind wir schon länger gut damit gefahren, die Eigenverantwortung an die Stelle der staatlichen Anordnung zu setzen“, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Nun sei es an der Zeit, die Erfahrungen und Lehren aus der Pandemie-Zeit zu analysieren, um für künftige Herausforderungen gewappnet zu sein.
„Corona hat weitestgehend seinen Schrecken verloren“, sagt Dr. Wolfgang Hierl, der Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamts. „Bislang sind in Deutschland keine neuen besorgniserregenden Varianten mit schwereren Verlaufsformen aufgetreten.“
Auch wenn die Maßnahmen nun offiziell ein Ende gefunden haben, ist das Sars-Cov2-Virus noch immer präsent. Im Romed-Klinikverbund befinden sich derzeit 35 mit dem Virus infizierte Patienten in stationärer Behandlung.
In Kliniken hat sich
Routine eingestellt
Die gute Nachricht ist dabei aber: Keiner davon befindet sich auf der Intensivstation. Seit geraumer Zeit habe sich in der Klinik eine gewisse Routine im Umgang mit Covid-19 eingestellt, ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten, heißt es auf OVB-Anfrage.
In der standortübergreifenden monatlichen Videokonferenz der Romed-Kliniken werde jedoch auch immer die Corona-Lage analysiert und daran angepasste Maßnahmen abgestimmt. Auch in den Kliniken gilt keine Maskenpflicht mehr. Allerdings wurde dem Personal empfohlen, beim Umgang mit Patienten auch weiterhin einen Mund-Nase-Schutz zu tragen.
Dennoch stellt sich die Frage, wie hoch die Dunkelziffer bei Corona-Infektionen ist. „Die Inzidenz ist nicht mehr brauchbar“, sagt Dr. Florian Bonke aus Flintsbach am Inn. „Die Patienten machen selbst einen Schnelltest, das wird nicht gemeldet.“
Auch Wolfgang Hierl stellt sich die Frage, was die Meldefälle noch wert sind. Nur noch wenige Menschen lassen einen PCR-Test machen. Nur diese würden auch weiterhin zuverlässig gemeldet werden. Die Infektionszahlen gehen aber deutlich zurück. In den Heimen in Stadt und Landkreis Rosenheim kommt es laut Hierl zwar immer noch zu Infektionen, insgesamt sei die Infektionsaktivität bei Bewohnern und Mitarbeitern aber stark zurückgegangen. „Die Verlaufsformen sind in der Regel milde, nur selten sind Hospitalisierungen notwendig“, sagt er.
„Wir hatten gerade einen positiven Patienten“, erzählt Dr. Nikolaus Klecker, der Vorsitzende des Bayerischen Ärzteverbands für den Bezirk Oberbayern, am Telefon gegenüber dem OVB. „Aber es ist selten geworden“, bestätigt er. Bei Symptomen wie Geruchs- und Geschmacksverlust – möglicherweise auch in Verbindung mit Husten und Fieber – setzt er noch immer auf eine Maske für die Patienten. „Das sind immer noch Viren, die da im Wartezimmer durch die Luft fliegen. Das ist etwas, was die Menschheit daraus lernen sollte, da ganz sachlich und nüchtern an die Sache heranzugehen.“
Über den gesamten Verlauf der Pandemie wurden dem Gesundheitsamt 182245 Corona-Fälle gemeldet, 147397 im Landkreis und 34848 in der Stadt. Damit ist auch eine traurige Statistik verbunden. Insgesamt starben 995 Menschen in Verbindung mit dem Coronavirus. 845 im Landkreis und 150 in der Stadt. Damit liegt Rosenheim im Vergleich der Corona-Fälle in den bayerischen Städten und Landkreisen nach München und Nürnberg auf dem dritten Platz.
Noch immer stecken sich täglich Menschen mit dem Coronavirus an. Dem Rosenheimer Gesundheitsamt werden aktuell täglich zwischen zehn und 40 neue Fälle gemeldet. Seit Jahresbeginn waren es 3321 Fälle. „Insgesamt sehen wir seit Januar ein langsames Abfallen der Meldungen in Stadt und Landkreis“, sagt Wolfgang Hierl. Waren es im Februar noch 1360, sank die Zahl im März auf knapp 750 Fälle.
Krankschreibung am
Telefon hat funktioniert
Mit dem Ende der Maßnahmen sind aber auch Instrumente weggefallen, die sich als nützlich und praktisch erwiesen haben. So war es während der Pandemie möglich, sich schon bei Erkältungen vom Arzt am Telefon krankschreiben zu lassen. Aus Sicht des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) hat sich die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gerade in den hausärztlichen Praxen gut bewährt und sollte daher in die Regelversorgung übernommen werden. „Die telefonische Krankschreibung hat gut während der Pandemie funktioniert“, berichtet auch Florian Bonke. „Das hat mitgeholfen, Ansteckungen zu vermeiden. Nicht nur vor Corona, sondern auch vor anderen Erkrankungen. Wir wären absolut dafür, dass das fortgeführt wird.“