War es der Tiroler Bär?

von Redaktion

Trittsiegel im Landkreis Rosenheim fachen Sorgen an

Rosenheim – Almbauer Georg Thaler hat verstörende Bilder auf seinem Handy. Schafe, bis aufs blanke Gerippe aufgerissen. Verendet im eigenen Blut nahe der Wildenkaralm in Thiersee (Tirol). Es waren seine Tiere. Gerissen von einem Bär, wie österreichische Behörden feststellten. Das war im vergangenen Sommer; seitdem ist der Bär öfter in der Umgebung von Kufstein gesichtet worden, nahe der Grenze zum Landkreis Rosenheim. War er es nun auch, der Spuren in der Region Rosenheim hinterlassen hat? Riesen-Stapfen waren am vergangenen Wochenende (15. und 16. April) in einem Schneefeld in der Umgebung von Kiefersfelden entdeckt worden. Die Spuren seien nunmehr ausgewertet worden, es handle sich tatsächlich um einen Braunbären, teilte das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg am Montag (17. April) mit. Allerdings lasse sich damit nicht feststellen, ob es sich beim Rosenheimer Grenzgänger tatsächlich um den Tiroler Bären handelt.

Unsicherheit
wächst in der Region

Mit der Raubtier-Ortung wächst die Unsicherheit in der Region. Weil ein Bär, die Schwester des 2006 erschossenen „Problembären“ Bruno, vor zwei Wochen im Trentino einen Jogger tötete. Und weil ein Bär in Tirol Dutzende von Tieren riss. Darunter die von Georg Thaler. „Super, jetzt geht das nach dem Wolf schon wieder von vorne los“, sagt der Almbauer mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. „Ich versteh‘s nicht. Warum muss man diese blöden Viecher unbedingt neu ansiedeln?“ Die Rosenheimer Kreisbäuerin Katharina Kern ist ebenfalls nicht zu einem warmen Willkommen für den Bären bereit. Man solle den Bestand an großen Raubtieren ebenso regulieren wie den von Rotwild. „Warum sollte der Bär Angst vorm Menschen haben, wenn der Mensch nicht schießen darf?“ Sie verstehe nicht, warum die Existenz von Problemtieren immer wieder über den Menschen gestellt werde. „Jeden Tag bekomme ich Fotos von toten Tieren zu sehen“, sagt sie, „für uns sind die kein Gegenstand, wir ziehen die auf. Von Schmerzensgeld haben wir nichts. Noch hat das Landesamt für Umwelt als Nachweis für den Rosenheimer Bären nur die Prankenspuren, „Trittsiegel“ heißen sie bei den Experten. Ob es sich dabei um Männchen oder Weibchen handelt, können die Augsburger noch nicht sagen, es bräuchte dazu beispielsweise die Losung, den Kot, eines Bären. Oder ein Büschel seiner Haare. In verschiedenen Medien war bereits die Problembärin aus dem Trentino als Verdächtige genannt worden. Sie geriet aber in der Nacht auf Dienstag (18. April) in eine Lebendfalle, die Südtiroler Jäger aufgestellt hatten. Am ehesten dürfte es sich beim Kiefersfeldener Exemplar um den Tiroler Bären handeln. „Bären haben einen enormen Bewegungsradius“, sagt Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber, „das wäre nicht weiter überraschend.“ Politiker aus der Region sehen sich durch die Entdeckung der Bärenspuren zu Forderungen an die Bundesregierung veranlasst. „Wir brauchen ein Bestandsmanagement für solche großen Raubtiere und rechtssichere Lösungen für Entnahmen“, sagte die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. Die Bundesregierung dürfe nicht länger mauern, wenn es darum geht, den Schutzstatus des Wolfes aufzuheben. „Auch Brüssel muss aus dem Schlaf aufwachen, bevor Schlimmeres passiert.“ Bären seien keine Kuscheltiere und Wölfe keine Schoßhunde. Ein Umdenken regt auch Landrat Otto Lederer (CSU) an. „Der Umgang mit großen Beutegreifern, wie Wölfen und Bären, verlangt Veränderungen.“ Man müsse flexibler und schneller reagieren können. „Es braucht Lösungen, wie wir schnell und rechtssicher gegen verhaltensauffällige Wölfe und Bären vorgehen können.“ Dazu müsse der Schutzstatus dieser Tiere überdacht werden. Das Auftauchen eines Bären in den Bergen nahe Rosenheim sei jedenfalls ernstzunehmen, findet Lederer. „Ich empfehle deshalb, sich über die Verhaltensregeln im Umgang mit großen Beutegreifern zu informieren, wenn Sie in die Berge wollen.“

Tatzenabdrücke
im Schnee

Der Bär beschränkte sich am Wochenende nicht auf den Landkreis Rosenheim. Auch im Landkreis Miesbach drückte er seine Pranken in den Schnee. Nicht ausgeschlossen ist, dass es sich bei dem wanderlustigen Exemplar um den Bären handelt, der im vergangenen Jahr zweimal im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gesichtet wurde. Zuvor war von 2019 an öfter ein Bär im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gesehen oder anhand von Spuren nachgewiesen worden. Die Bärensichtungen bringen auch den Kiefersfeldener Bürgermeister ins Grübeln. Zu Panik sieht er keinen Anlass, wohl aber zum Informationsaustausch. Er will einen Experten aus dem Landesamt für Umwelt einladen, damit der sich über die Umstände in den Bergen am Inntal kundig macht und seinerseits „uns informieren kann.“ Man könne sich ja auch mal erkundigen, so sagt es Gruber, wie die Menschen woanders mit dem großen Beutegreifer umgingen.

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